Vergleich
Ratte oder Wühlmaus — Löcher und Gänge unterscheiden

Direktvergleich auf einen Blick
Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale in einer Tabelle.
Die folgende Tabelle stellt Wanderratte und Wühlmaus (Schermaus) nebeneinander. Meist genügt der Blick auf Lochgröße, Erdauswurf und Schadbild, um den Verursacher einzugrenzen; bleibt es unklar, entscheidet die Verwühlprobe.
| Merkmal | Ratte (Wanderratte) | Wühlmaus (Schermaus) |
|---|---|---|
| Größe des Tiers | kräftig, Körper etwa 20 bis 28 Zentimeter plus Schwanz, graubraun | deutlich kleiner, etwa 12 bis 20 Zentimeter, braun bis graubraun, gedrungen mit stumpfer Schnauze |
| Schwanz und Ohren | Schwanz dick, fast nackt und etwas kürzer als der Körper; Ohren klein, aber sichtbar | Schwanz kurz und behaart, etwa halbe Körperlänge; Ohren fast im Fell verborgen |
| Lochgröße und Form | große, glatte runde Löcher von etwa 6 bis 10 Zentimetern Durchmesser | kein offenes Einstiegsloch im klassischen Sinn — flache, längliche Erdhaufen, Gang seitlich |
| Erdauswurf | ausgeräumte Erde fächerförmig vor dem Loch, Gänge meist offen genutzt | flacher, länglicher Haufen, oft mit Wurzel- und Pflanzenresten durchsetzt |
| Laufwege | festgetretene oberirdische Laufwege an Mauern, Hecken und im Gras | keine oberirdischen Laufwege; Gänge dicht unter der Oberfläche, hochoval |
| Geöffneter Gang (Verwühlprobe) | bleibt offen und wird weiter benutzt | wird meist binnen weniger Stunden wieder sauber verschlossen |
| Aktivität | dämmerungs- und nachtaktiv, läuft oberirdisch an Kanten entlang | rund um die Uhr aktiv, aber fast ausschließlich unterirdisch; selten zu sehen |
| Schadbild | Nagespuren an Holz und Verpackung, Kot und Schmierspuren, Plündern von Futter und Kompost | angefressene Wurzeln, Knollen und Blumenzwiebeln; Pflanzen welken oder lassen sich herausziehen |
| Einstufung | Gesundheitsschädling — kann Krankheitserreger übertragen | Pflanzenschädling — frisst ausschließlich Pflanzenteile |
| Recht und Meldung | nicht besonders geschützt; Befall je nach Kommune meldepflichtig | nicht besonders geschützt; darf mit zulässigen Mitteln bekämpft werden, keine Meldepflicht |
Löcher und Erdauswurf richtig deuten
Der schnellste Unterschied liegt in Lochgröße und Erdauswurf. Wanderratten graben große, glatte, runde Löcher von etwa 6 bis 10 Zentimetern Durchmesser, die offen genutzt werden und vor denen die Erde fächerförmig ausgeräumt liegt. Solche Löcher liegen typischerweise an geschützten Stellen — unter dem Komposter, an Schuppenwänden, Böschungen oder Mauern.
Wühlmäuse dagegen werfen flache, längliche Erdhaufen auf, in denen oft Wurzel- und Pflanzenreste stecken. Ein klassisches offenes Einstiegsloch fehlt meist, weil die Wühlmaus keine offenen Gänge duldet und sie rasch wieder verschließt. Ihre Gänge verlaufen dicht unter der Oberfläche und sind im Querschnitt hochoval, etwa fünf Zentimeter breit.
Bleibt das Bild unklar — etwa weil die Haufen verwittert sind oder ein Loch in einer Böschung liegt —, hilft die Verwühlprobe. Öffnen Sie einen Gang mit dem Spaten auf etwa 20 bis 30 Zentimetern Länge und kontrollieren Sie nach einigen Stunden: Die Wühlmaus duldet keine offenen Gänge und verschließt die Stelle meist noch am selben Tag sauber mit Erde. Ein Rattengang dagegen bleibt offen und wird weiter benutzt; oft finden Sie am nächsten Morgen frische Trittspuren oder Kot davor. Auch der Maulwurf reagiert anders als die Wühlmaus, er schiebt eher lose Erde nach oder legt eine neue Röhre an — Details dazu stehen im Vergleich „Wühlmaus oder Maulwurf“.
Achten Sie außerdem auf die Lage: Wanderratten graben bevorzugt dort, wo ein Dach über dem Bau liegt — unter dem Komposter, unter Platten, Holzstapeln oder Schuppenböden. Wühlmausgänge ziehen sich dagegen frei durch Rasen, Beete und unter Obstbäumen hindurch, dort, wo es Wurzeln zu fressen gibt. Wer beide Arten am Erdhaufen unterscheiden möchte, findet die Details auch im Steckbrief „Wühlmäuse“.

Oberirdische Spuren: Kot, Laufwege und Nagespuren
Ratten verraten sich stärker oberirdisch als Wühlmäuse. Achten Sie auf:
- Laufwege: Ratten nutzen immer dieselben Wege, sodass schmale, festgetretene Pfade an Mauern, Hecken und im Gras entstehen
- Kot: dunkler, länglicher Rattenkot von etwa 1 bis 2 Zentimetern, oft in Häufchen an Laufwegen und Futterstellen
- Schmier- und Nagespuren: fettige dunkle Spuren an Mauerdurchlässen, Nagespuren an Holz, Verpackung und Kunststoff
Wühlmäuse hinterlassen dagegen kaum oberirdische Spuren. Sie leben fast vollständig unterirdisch; man bemerkt sie meist erst am Schaden an Pflanzen — welkende Stauden, die sich leicht aus dem Boden ziehen lassen, angefressene Wurzeln an Obstbäumen oder ausgehöhlte Blumenzwiebeln. Ihr Kot bleibt in den Gängen und ist oberirdisch kaum zu finden.
Bekommen Sie das Tier selbst zu Gesicht, ist die Sache meist schnell klar. Die Wanderratte ist kräftig gebaut, mit langem, dickem und fast nacktem Schwanz, sichtbaren Ohren und stumpfer Schnauze; sie läuft dicht an Mauern und Kanten entlang, vor allem in der Dämmerung. Die Wühlmaus wirkt wie ein gedrungener, dunkelbrauner Klumpen mit kurzem, behaartem Schwanz, winzigen Augen und kaum sichtbaren Ohren — man sieht sie fast nur, wenn sie kurz aus einem Gang schaut oder beim Umgraben auftaucht. Ein deutlich kleineres Tier mit großen Ohren, spitzer Schnauze und langem dünnem Schwanz ist keine von beiden, sondern eine Maus (etwa Haus-, Wald- oder Gelbhalsmaus). Mäuse legen nur fingerdicke Löcher von zwei bis drei Zentimetern an und richten im Garten selten nennenswerten Schaden an.

Unterschiedliches Schadbild
Das Schadbild trennt beide Arten zuverlässig. Wanderratten richten Schaden über Verschmutzung und Plündern an: Sie plündern Kompost, Tier- und Vogelfutter, hinterlassen Kot und können Krankheitserreger übertragen. Pflanzenwurzeln stehen nicht auf ihrem Speiseplan.
Wühlmäuse sind reine Pflanzenfresser. Sie fressen Wurzeln, Knollen, Rhizome und Blumenzwiebeln — der Schaden entsteht unterirdisch und bleibt oft lange unbemerkt, bis eine Pflanze plötzlich welkt oder umkippt. Wer also angefressene Wurzeln und verschwundene Zwiebeln findet, hat es mit der Wühlmaus zu tun; wer geplünderten Kompost, Kot und Laufwege findet, mit der Ratte.
Auch der Zeitpunkt gibt Hinweise. Wühlmausschäden fallen besonders im Herbst und Winter auf, wenn die Tiere Wurzeln und Rinde junger Obstbäume benagen; im Frühjahr treiben betroffene Bäume dann schwach oder gar nicht aus und lassen sich im Boden hin- und herbewegen. Ratten rücken im Herbst näher an Gebäude, Ställe und Komposter heran, weil draußen die Nahrung knapp wird — neue Löcher am Haus oder Schuppen im Oktober oder November sprechen deshalb eher für die Ratte. Und noch ein Unterschied: Ratten fressen fast alles, was der Mensch wegwirft, und plündern auch Vogelfutter oder Hühnerfutter; die Wühlmaus interessiert sich für Vogelfutter nicht, dafür aber für Möhren, Sellerie oder Petersilienwurzeln im Gemüsebeet, die sie von unten her aushöhlt.
Rechtslage und richtiges Handeln
Beide Tiere sind nicht besonders geschützt und dürfen bekämpft werden — anders als der Maulwurf, der nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt ist und nur sanft vertrieben werden darf. Der entscheidende Unterschied liegt in der Behandlung:
- Ratte: Gesundheitsschädling, in vielen Kommunen meldepflichtig. Zuerst Futterquellen entziehen, dann Schlagfallen in Köderboxen; antikoagulante Giftköder werden seit April 2026 nicht mehr an Privatpersonen abgegeben, Restbestände dürfen nur noch bis 22. Oktober 2026 verwendet werden (Stand: September 2026), danach sind sie sachkundigen Fachbetrieben vorbehalten. Details im Steckbrief „Ratten im Garten“.
- Wühlmaus: Pflanzenschädling, am wirksamsten mit korrekt gesetzten Wühlmausfallen in frisch genutzten Gängen zu bekämpfen, Neupflanzungen schützt man mit Drahtkörben. Details im Steckbrief „Wühlmäuse“.
Weil es um unterschiedliche Maßnahmen, Risiken und teils um Meldepflichten geht, lohnt sich die sichere Bestimmung vor jedem Handeln. Eine Wühlmausfalle im Rattengang fängt nichts, und eine Rattenbekämpfung gegen Wühlmäuse verschwendet Zeit, während die Obstbaumwurzeln weiter angefressen werden. Umgekehrt kann die Verwechslung auch rechtlich heikel werden: Wer die Haufen eines Maulwurfs für Wühlmaushaufen hält und Fallen setzt, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Wenn die Löcher und Gänge ausgerechnet am Komposter auftreten, hilft der Ratgeber „Löcher und Gänge am Kompost“ bei der Abgrenzung.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich ein Rattenloch von einem Wühlmaushaufen?
Rattenlöcher sind groß (etwa 6 bis 10 Zentimeter), glatt, rund und offen, mit festgetretenen Laufwegen und ausgeräumter Erde davor. Wühlmäuse werfen flache, längliche Haufen mit Pflanzenresten auf und hinterlassen kein offenes Einstiegsloch.
Frisst die Ratte auch Pflanzenwurzeln wie die Wühlmaus?
Nein. Angefressene Wurzeln, Knollen und Blumenzwiebeln gehen auf die Wühlmaus zurück. Die Ratte plündert stattdessen Kompost, Tier- und Vogelfutter und hinterlässt Kot, Schmier- und Nagespuren.
Sind Ratte und Wühlmaus geschützt?
Nein, beide sind nicht besonders geschützt und dürfen mit zulässigen Mitteln bekämpft werden. Besonders geschützt ist dagegen der Maulwurf — ihn behandelt der Vergleich „Wühlmaus oder Maulwurf“.
Muss ich nur bei Ratten etwas melden?
In der Regel ja. Ein Rattenbefall ist je nach Kommune meldepflichtig, weil Ratten als Gesundheitsschädlinge gelten. Für die Wühlmaus als reinen Pflanzenschädling gibt es keine Meldepflicht. Fragen Sie bei Ratten im Zweifel bei Ordnungs- oder Gesundheitsamt nach.
Was, wenn ich gar kein Tier, sondern nur Gänge sehe?
Dann helfen Begleitspuren: Kot, Laufwege und Schmierspuren sprechen für die Ratte, angefressene Wurzeln und flache Haufen mit Pflanzenresten für die Wühlmaus. Treten die Löcher am Komposter auf, hilft der Ratgeber „Löcher und Gänge am Kompost“ weiter.
Wie funktioniert die Verwühlprobe?
Öffnen Sie einen Gang mit dem Spaten auf etwa 20 bis 30 Zentimetern Länge und schauen Sie nach einigen Stunden nach. Hat die Wühlmaus den Gang sauber mit Erde verschlossen, ist sie der Verursacher. Bleibt der Gang offen und zeigt frische Trittspuren oder Kot, spricht das für die Ratte.
Kann es auch der Maulwurf oder eine Maus sein?
Ja. Hohe, kegelförmige Haufen aus feiner Erde ohne Pflanzenreste stammen vom Maulwurf, der besonders geschützt ist und nicht bekämpft werden darf. Fingerdicke Löcher von zwei bis drei Zentimetern ohne Haufen legen Mäuse wie Wald- oder Hausmaus an. Ratten- und Wühlmausspuren sind deutlich größer beziehungsweise flacher und mit Wurzelresten durchsetzt.
Quellen & Prüfung
Artmerkmale nach gängiger Fachliteratur zu Wanderratte und Schermaus; rechtliche Angaben zu antikoagulanten Rodentiziden nach BAuA-Zulassungsvorgaben (Ende der Abgabe an Privatpersonen 25. April 2026, letzte Verwendung 22. Oktober 2026; Stand: September 2026). Meldepflichten regeln kommunale Satzungen.
Hinweis zur Erstellung
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