Nagetiere
Wühlmäuse erkennen, vertreiben und bekämpfen
Wühlmäuse erkennen
Im Garten ist mit „Wühlmaus“ fast immer die Schermaus gemeint — ein 12 bis 20 Zentimeter großes Nagetier mit stumpfer Schnauze, kleinen Ohren und braunem bis graubraunem Fell. Zu sehen bekommt man die Tiere selten, denn sie leben fast ausschließlich unterirdisch. Erkannt wird die Wühlmaus deshalb an ihren Spuren.
Typisch sind flache, längliche Erdhaufen, die unregelmäßig über die Fläche verteilt liegen. Anders als beim Maulwurf fehlt das zentrale Loch in der Mitte des Hügels — der Gang mündet seitlich, oft etwas neben dem Haufen. In der ausgeworfenen Erde finden sich häufig Wurzelstücke und Pflanzenreste, weil die Wühlmaus beim Graben durch die Wurzelzone pflügt.
Die Gänge selbst verlaufen dicht unter der Oberfläche, meist in fünf bis dreißig Zentimetern Tiefe. Ihr Querschnitt ist hochoval, also höher als breit, mit etwa fünf bis acht Zentimetern Durchmesser. Auf Rasenflächen zeichnen sich die flachen Gänge manchmal als leicht eingesunkene Spuren ab.
Verwechslungstest: die Wühlprobe
Vor jeder Bekämpfung muss klar sein, wer da gräbt.
Bevor Sie Fallen stellen, müssen Sie sicher sein, dass es sich um eine Wühlmaus handelt — der Maulwurf ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und darf weder gefangen noch getötet werden. Die sogenannte Wühlprobe (auch Verwühlprobe) liefert die Antwort:
- Öffnen Sie einen Gang auf etwa 20 bis 30 Zentimetern Länge mit einem Spaten und legen Sie ihn nach oben frei.
- Lassen Sie die Öffnung unberührt und kontrollieren Sie nach einigen Stunden, spätestens am nächsten Tag.
- Ist der Gang sauber von innen wieder verschlossen, war eine Wühlmaus am Werk — sie duldet keine offenen Gänge und repariert sie meist binnen weniger Stunden.
- Bleibt der Gang offen oder wird er nur locker von unten mit Erde zugeschoben, spricht das für den Maulwurf — er verschließt geöffnete Gänge oft gar nicht oder erst nach längerer Zeit und auf andere Weise.
Fällt die Probe unklar aus, wiederholen Sie sie an einer anderen Stelle des Gangsystems. Eine ausführliche Gegenüberstellung aller Merkmale finden Sie im Vergleich „Wühlmaus oder Maulwurf“.
Schadbild: welche Schäden Wühlmäuse anrichten
Wühlmäuse sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von Wurzeln, Knollen, Rhizomen und Zwiebeln — und genau dort entsteht der Schaden, meist unbemerkt unter der Erde:
- angenagte oder komplett abgefressene Wurzeln an Obstbäumen, besonders an jungen Bäumen und auf schwach wachsenden Unterlagen
- Fraß an Wurzelgemüse wie Möhren, Sellerie und Pastinaken sowie an Kartoffeln
- ausgehöhlte oder verschwundene Blumenzwiebeln, etwa von Tulpen und Krokussen
- benagte Wurzeln an Stauden und Rosen
Typisches Warnsignal: Eine Pflanze welkt scheinbar grundlos, kippt um oder lässt sich mit leichtem Zug einfach aus dem Boden „herausziehen“, weil die Wurzeln darunter fehlen. Junge Obstbäume treiben im Frühjahr nicht mehr aus, wenn die Wurzel über Winter abgefressen wurde. Frische Nageschäden zeigen schräge Nagespuren der kräftigen Schneidezähne am verbliebenen Wurzelstumpf.
Wühlmäuse bekämpfen: Fallen richtig einsetzen
Die Wühlmaus ist nicht geschützt und darf bekämpft werden. Das zuverlässigste und am besten kontrollierbare Mittel sind Wühlmausfallen — gängig sind Zangenfallen (Drahtfallen) und Kastenfallen, die es auch als Lebendfallen gibt. So gehen Sie vor:
- Suchen Sie einen frisch genutzten Gang (vorher per Wühlprobe bestätigt) und öffnen Sie ihn vorsichtig mit einem Spaten oder einer Pflanzkelle.
- Tragen Sie dabei und beim Hantieren mit der Falle Handschuhe — Wühlmäuse meiden menschlichen Geruch, und unbehandelte Fallen werden eher angenommen. Neue Fallen können Sie zusätzlich einige Tage in Erde lagern.
- Bestücken Sie die Falle mit einem Köder, der zum Speiseplan passt: ein Stück Möhre, Sellerie oder Apfel funktioniert gut.
- Setzen Sie die gespannte Falle passgenau in den Gang ein; bei Zangenfallen in beide Laufrichtungen je eine Falle. Decken Sie die Öffnung lichtdicht ab (Brett, umgedrehter Eimer, Grassode), denn Zugluft und Lichteinfall machen die Tiere misstrauisch.
- Kontrollieren Sie die Fallen mindestens zweimal täglich — bei Lebendfallen ist das aus Tierschutzgründen Pflicht. Bleibt eine Falle mehrere Tage unberührt, versetzen Sie sie an eine andere Stelle des Gangsystems.
Vergrämung mit Geruchsstoffen (Buttersäure-Präparate, vergorene Jauchen, Knoblauch) oder mit Schall- und Vibrationsgeräten wird viel beworben, wirkt in der Praxis aber nur begrenzt und selten dauerhaft — die Tiere gewöhnen sich an Störreize oder weichen wenige Meter aus. Solche Mittel können eine Fallenbekämpfung begleiten, ersetzen sie aber nicht.
Daneben gibt es zugelassene Wühlmausköder (Pflanzenschutz- bzw. Biozidprodukte, meist auf Zinkphosphid-Basis). Sie dürfen ausschließlich nach Gebrauchsanleitung und unzugänglich verdeckt im Gang ausgebracht werden, denn sie sind auch für Haustiere und Wildtiere gefährlich. Für die meisten Hausgärten sind Fallen die bessere, sicherere Wahl. Hausmittel-„Gifte“ oder das Einleiten von Auspuffgasen sind keine Option — sie sind unzulässig, gefährlich und unzuverlässig.
Wühlmäusen vorbeugen
Vollständig fernhalten lassen sich Wühlmäuse aus einem offenen Garten kaum — gefährdete Pflanzen können Sie aber mechanisch schützen:
- Obstbäume, Rosen und wertvolle Stauden beim Pflanzen in Drahtkörbe aus unverzinktem oder punktverzinktem Sechseckgeflecht setzen (Maschenweite maximal 13 bis 16 Millimeter); den Korb großzügig bemessen und oben einige Zentimeter aus dem Boden ragen lassen
- Hochbeete und Komposter von unten mit engmaschigem Draht auslegen, bevor sie befüllt werden
- Blumenzwiebeln in Pflanzkörbe oder selbst gebogene Drahtkäfige setzen
- den Garten aufgeräumt halten: dichte Grasfilze, Mulchschichten direkt an Baumstämmen und ungemähte Wiesensäume bieten Deckung
- natürliche Feinde fördern: Sitzstangen für Greifvögel, Unterschlupf für Hermelin, Mauswiesel und Fuchs sowie Katzen im Garten erhöhen den Druck auf die Population
Drahtkörbe sind die einzige Maßnahme mit verlässlicher Langzeitwirkung — der Aufwand beim Pflanzen zahlt sich über Jahre aus.
Rechtliches: Wühlmaus ja, Maulwurf nein
Die Rechtslage ist eindeutig und für die Praxis entscheidend: Die Wühlmaus (Schermaus) gilt als Pflanzenschädling, ist nicht besonders geschützt und darf mit zulässigen Mitteln — Fallen sowie zugelassenen Ködern gemäß Anwendungsbestimmungen — bekämpft werden.
Der Maulwurf (Talpa europaea) steht dagegen nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) unter besonderem Schutz: Er darf weder gefangen noch verletzt oder getötet werden, und auch seine Baue dürfen nicht zerstört werden. Erlaubt ist beim Maulwurf ausschließlich sanftes Vertreiben, etwa durch Geräusche, Gerüche oder Bodenvibration. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und können je nach Bundesland mit Bußgeldern bis in den fünfstelligen Bereich geahndet werden.
Weil beide Tiere Erdhaufen aufwerfen und ihre Gangsysteme sich teils überschneiden — Wühlmäuse nutzen sogar gern verlassene Maulwurfsgänge —, gehört die sichere Bestimmung per Wühlprobe vor jede Bekämpfungsmaßnahme.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob ich eine Wühlmaus oder einen Maulwurf im Garten habe?
An den Haufen und an der Wühlprobe: Wühlmaushaufen sind flach und länglich, ohne zentrales Loch, oft mit Pflanzenresten; Maulwurfshügel sind hoch, rund und haben die Gangöffnung mittig darunter. Öffnen Sie einen Gang — verschließt ihn das Tier binnen Stunden sauber wieder, ist es eine Wühlmaus.
Was hilft am besten gegen Wühlmäuse?
Korrekt gesetzte Wühlmausfallen (Zangen- oder Kastenfallen) in frisch genutzten Gängen, mit Handschuhen gesetzt und mit Möhre oder Sellerie beködert. Vergrämung mit Geruch oder Schall wirkt nur begrenzt, Drahtkörbe schützen Neupflanzungen dauerhaft.
Wann ist die beste Zeit, um Wühlmäuse zu bekämpfen?
Spätherbst bis zeitiges Frühjahr ist am wirksamsten: Das Nahrungsangebot ist knapp, Köder werden besser angenommen, und die Tiere haben sich noch nicht vermehrt. Frische Haufen sollten Sie aber ganzjährig zeitnah kontrollieren.
Helfen Ultraschallgeräte oder vergrabene Flaschen gegen Wühlmäuse?
Zuverlässig nicht. Schall-, Vibrations- und Geruchsvergrämung zeigt in der Praxis allenfalls kurzfristige Wirkung, weil sich die Tiere an Störreize gewöhnen oder nur wenige Meter ausweichen. Verlassen Sie sich stattdessen auf Fallen und Drahtkörbe.
Darf ich Giftköder gegen Wühlmäuse verwenden?
Nur zugelassene Wühlmausköder (Pflanzenschutz- bzw. Biozidprodukte) und nur exakt nach Gebrauchsanleitung, verdeckt im Gang und für Haustiere und Wildtiere unzugänglich. Eigenmischungen oder Auspuffgase sind unzulässig und gefährlich — im Hausgarten sind Fallen die sicherere Wahl.
Beißen Wühlmäuse, und sind sie für Menschen gefährlich?
Wühlmäuse sind scheu und meiden den Menschen; gefährlich sind sie nicht. In die Enge getrieben oder beim Entnehmen aus einer Lebendfalle können sie allerdings kräftig zubeißen — fassen Sie gefangene Tiere deshalb nur mit festen Handschuhen an.