Käferlarven
Drahtwürmer erkennen und bekämpfen
Drahtwürmer erkennen
Drahtwürmer sind die Larven verschiedener Schnellkäferarten (Elateridae), am häufigsten aus der Gattung Agriotes — etwa Saatschnellkäfer, Dunkler Humusschnellkäfer und Garten-Humusschnellkäfer. Die erwachsenen Käfer sind etwa acht bis zehn Millimeter lang, langgestreckt und flach.
Die Larven, also die eigentlichen Drahtwürmer, sind unverwechselbar:
- dünn, langgestreckt und drahtartig steif
- gelb bis gelbbraun gefärbt mit fester, harter Außenhaut
- bis ausgewachsen rund zweieinhalb bis drei Zentimeter lang
- mit dunkelbraunem Kopf und meist zugespitztem Hinterleibsende
Genau diese feste, harte Außenhaut und die gestreckte Form geben ihnen den Namen. Wer eine Larve aufnimmt, spürt sofort, dass sie deutlich fester und zäher ist als eine weiche, fleischige Engerlingslarve.
Wichtig: von Engerlingen unterscheiden
Die Verwechslung führt zu falschen Maßnahmen.
Drahtwürmer werden im Boden oft mit Engerlingen verwechselt, dabei sind es ganz unterschiedliche Tiere mit unterschiedlichem Vorgehen. Die wichtigsten Unterschiede:
- Drahtwurm: hart, dünn, langgestreckt, gelb- bis gelbbraun, drahtartig steif
- Engerling: weich, dick, fleischig, weiß bis cremefarben, in Ruhe C-förmig gekrümmt
Die Unterscheidung ist wichtig, weil nicht jede Larve ein Schädling ist. Unter den Engerlingen ist zum Beispiel die Larve des Rosenkäfers ein geschützter Nützling, der nur totes Material zersetzt und nicht bekämpft werden darf. Wer einen weichen, weißen Engerling im Kompost findet, sollte ihn also keinesfalls als Drahtwurm behandeln. Wie Sie die verschiedenen Engerlinge sicher bestimmen und welche geschützt sind, beschreibt die Seite zu den Engerlingen ausführlich.
Drahtwürmer wiederum lassen sich mit den räuberischen Larven von Laufkäfern und Kurzflüglern verwechseln, die Nützlinge sind. Diese tragen jedoch häufig zangenartige Anhänge am Hinterleib und bewegen sich flink, während Drahtwürmer eher träge wirken.
Schäden an Kartoffeln, Wurzeln und Sämlingen
Drahtwürmer fressen unterirdisch an Wurzeln und an bodennahen Pflanzenteilen. An Kartoffeln ist das Schadbild typisch:
- schmale, oft verkorkte Bohrgänge von wenigen Millimetern Durchmesser durch die Knolle
- das einzelne Drahtwurmloch ist scharf umrandet
- durch die Fraßgänge können zusätzlich Fäulniserreger in die Knolle eindringen
Betroffen sind aber nicht nur Kartoffeln: Auch Möhren, Salat, Zwiebeln, Mais sowie junge Sämlinge und Wurzeln vieler Kulturen werden geschädigt. Bei Sämlingen kann der Wurzelfraß zum Welken und Absterben führen.
Besonders ärgerlich ist der Schaden an Speisekartoffeln, weil schon wenige durchbohrte Knollen die Qualität der ganzen Ernte mindern. Bei Trockenheit verstärkt sich der Befall oft, weil die Larven dann die wasserreichen Knollen und Wurzeln gezielt aufsuchen.
Warum besonders nach Grünland-Umbruch?
Drahtwürmer treten verstärkt dort auf, wo der Boden zuvor über längere Zeit dicht bewachsen war. Die Schnellkäfer-Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in Flächen mit schützender Pflanzendecke — also in Grünland, mehrjähriges Kleegras, verkrautete Bestände und Brachen.
Das macht frisch umgebrochenes Grünland zur Risikofläche: In der dichten Grasnarbe konnten sich über Jahre Larven ansammeln, und weil ein Drahtwurm mehrere Jahre im Boden lebt, sind beim Umbruch oft alle Altersstufen gleichzeitig vorhanden. Werden auf so einer Fläche direkt Kartoffeln gesetzt, treffen die Knollen auf einen hohen Larvenbestand.
Deshalb gilt im Garten wie im Anbau: Nach dem Umbruch von Rasen, Wiese oder einer lange brachliegenden Ecke sollte man auf einer solchen Fläche in den ersten Jahren möglichst keine empfindlichen Knollen- und Wurzelkulturen wie Kartoffeln setzen. Besser geeignet sind in dieser Phase Kulturen, die weniger anfällig sind.
Befall feststellen mit Köderfallen
Ob und wie stark eine Fläche befallen ist, lässt sich mit einfachen Köderfallen abschätzen. Drahtwürmer werden von keimenden Pflanzen und von wasserreichen Knollen angelockt:
- halbierte Kartoffeln oder Stücke von Möhren als Köder in den Boden eingraben, etwa eine Handbreit tief
- die Stelle markieren und nach rund zehn Tagen wieder ausgraben
- die Köder umdrehen und auf eingebohrte Drahtwürmer kontrollieren
Alternativ kann auch keimendes Getreide als Köder dienen. Die Funde zeigen nicht nur, ob Drahtwürmer aktiv sind, sondern über die Größe der Larven auch, ob ein eher junger oder ein mehrjähriger Befall mit verschiedenen Altersstufen vorliegt. Findet man viele oder große Larven, ist auf dieser Fläche mit Schäden an Kartoffeln zu rechnen.
Einzelne Köderfallen entfernen den Befall nicht, sie sind ein Diagnosewerkzeug. Sie helfen aber, vor der Pflanzung einzuschätzen, ob eine Fläche überhaupt für Kartoffeln geeignet ist.
Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Ernte
Drahtwürmer lassen sich im Garten nicht mit einem einzelnen Mittel beseitigen — wirksam ist eine Kombination aus Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und richtigem Erntezeitpunkt:
- regelmäßige, gründliche Bodenbearbeitung in der warmen Jahreszeit stört die Larven, legt sie für Vögel frei und senkt den Bestand mit der Zeit
- nach Grünland-Umbruch mehrere Jahre keine Kartoffeln auf die Fläche setzen
- eine durchdachte Fruchtfolge mit hohem Anteil weniger anfälliger Kulturen einplanen, Getreide als unmittelbare Vorfrucht eher meiden
- die Beete unkrautfrei halten, da dichter Bewuchs die Eiablage begünstigt
- schalenfeste Kartoffeln frühzeitig ernten und nicht unnötig lange im Boden lassen, denn mit jeder Woche steigt das Risiko neuer Bohrgänge
Gute Bodenpflege wirkt hier doppelt: Sie fördert das Bodenleben und damit auch Gegenspieler wie Laufkäfer, deren Larven Drahtwürmer fressen. Wie Sie den Boden dauerhaft lebendig und in guter Struktur halten, beschreibt der Ratgeber zur Bodenpflege. Gegen Engerlinge im Rasen werden mitunter Nützlings-Nematoden eingesetzt; bei Drahtwürmern im Garten stehen dagegen Bodenbearbeitung und Fruchtfolge im Vordergrund, wie die Seite zu Nematoden einordnet.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Drahtwürmer?
An ihrer harten, drahtartig steifen Form, der gelb- bis gelbbraunen Färbung, dem langgestreckten Körper und dem dunkelbraunen Kopf. Ausgewachsen werden sie rund zweieinhalb bis drei Zentimeter lang.
Wie unterscheide ich Drahtwürmer von Engerlingen?
Drahtwürmer sind hart, dünn, gestreckt und gelbbraun. Engerlinge sind weich, dick, fleischig, weiß und C-förmig gekrümmt. Manche Engerlinge wie die Rosenkäfer-Larve sind sogar geschützte Nützlinge und dürfen nicht bekämpft werden.
Was richten Drahtwürmer an Kartoffeln an?
Sie bohren schmale, oft verkorkte Gänge mit scharf umrandeten Löchern in die Knollen. Schon wenige durchbohrte Kartoffeln mindern die Qualität, und durch die Fraßgänge können Fäulniserreger eindringen.
Warum habe ich nach dem Umgraben einer Rasenfläche so viele Drahtwürmer?
Schnellkäfer legen ihre Eier gern in dicht bewachsene Flächen wie Rasen und Wiese. Weil die Larven mehrere Jahre im Boden leben, sammeln sich dort viele an. Nach dem Umbruch sollte man deshalb einige Jahre keine Kartoffeln auf die Fläche setzen.
Wie stelle ich fest, ob mein Beet befallen ist?
Mit Köderfallen: Graben Sie halbierte Kartoffeln oder Möhrenstücke ein, markieren Sie die Stelle und kontrollieren Sie sie nach etwa zehn Tagen auf eingebohrte Drahtwürmer.
Was hilft am besten gegen Drahtwürmer im Garten?
Eine Kombination aus regelmäßiger Bodenbearbeitung, durchdachter Fruchtfolge, dem Meiden von Kartoffeln nach Grünland-Umbruch und frühzeitiger Ernte. Ein einzelnes Mittel beseitigt Drahtwürmer im Hausgarten nicht.