Säugetiere
Wildkaninchen im Garten erkennen und abhalten
Wildkaninchen erkennen
Wildkaninchen sind deutlich kleiner und gedrungener als Feldhasen, haben kürzere Ohren ohne schwarze Spitzen und leben gesellig in selbst gegrabenen Bauen. Im Garten bekommt man sie vor allem in der Dämmerung und nachts zu sehen — meist verraten aber die Spuren ihre Anwesenheit:
- Verbiss: glatt, fast wie mit der Schere abgeschnitten, an Trieben, Knospen und Blättern. Junggemüse und frische Aussaaten werden besonders gern angenommen.
- Rindenschäden: Im Winter, wenn Grün knapp ist, nagen Kaninchen Rinde von jungen Gehölzen und Obstbäumen — oft ringförmig rund um den Stamm.
- Buddellöcher und Röhren: runde Eingänge von etwa zehn bis zwanzig Zentimetern Durchmesser mit lose ausgeworfener Erde davor, im Rasen oder an Böschungen.
- Kot: kleine, kugelrunde, trockene Pillen, die in losen Häufchen liegen — ein sicheres Erkennungszeichen.
Die Kombination aus glattem Verbiss, runden Röhren und Kotkugeln grenzt Wildkaninchen zuverlässig von anderen Gartenbesuchern ab.
Rechtslage: Wildkaninchen unterliegt dem Jagdrecht
Im Wohngebiet nur vertreiben, nicht selbst fangen.
Das Wildkaninchen ist im Bundesjagdgesetz als jagdbare Tierart aufgeführt — anders als manch anderer Gartenbesucher unterliegt es damit dem Jagdrecht. Für den Hausgarten ist das entscheidend:
- Wer ein Wildkaninchen fangen oder erlegen will, braucht grundsätzlich einen gültigen Jagdschein.
- Hausgärten in Wohngebieten gelten als befriedete Bezirke; dort ruht die Jagd, und sie ist nur mit Sondergenehmigung der zuständigen Behörde zulässig.
- Für Bewohner bleibt deshalb nur das Vertreiben und das mechanische Abhalten — Schutz statt Fang.
Bei den Jagd- und Schonzeiten gibt es keine bundeseinheitliche Regelung: Sie sind in den Landesjagdgesetzen geregelt und unterscheiden sich je nach Bundesland. In manchen Ländern besteht für Wildkaninchen keine Schonzeit, in anderen gelten Setzzeit- und Elterntierregelungen. Solche Fragen betreffen ohnehin den Jagdausübungsberechtigten; für den Garten gilt schlicht: keine Fallen, kein Gift, keine Eigenmächtigkeiten.
Bei starkem Befall, etwa wenn sich ein größerer Bestand im Wohngebiet etabliert hat, sind die Gemeinde, die untere Jagdbehörde oder der Jagdpächter die richtigen Ansprechpartner.
Welche Schäden verursachen Wildkaninchen?
Wildkaninchen sind reine Pflanzenfresser mit großem Appetit und hoher Vermehrungsrate — die Fortpflanzungszeit reicht etwa von Spätwinter bis in den Spätsommer, mit mehreren Würfen. Daraus ergeben sich zwei Schadensbilder:
- Fraßschäden: glatter Verbiss an Salat, Junggemüse, Stauden und frischen Trieben; im Winter Rindenschäden an jungen Bäumen und Sträuchern, die im Extremfall ganze Gehölze zum Absterben bringen, wenn sie ringsum genagt sind.
- Grabschäden: Röhren und Baue im Rasen, an Böschungen und unter Schuppen; ausgescharrte Pflanzen und Samen sowie Erdauswurf, der Beete und Rasen beschädigt.
Bei Wildschäden gibt es eine wichtige rechtliche Einschränkung: Für Gärten entfällt die Ersatzpflicht in der Regel, wenn übliche Schutzvorrichtungen nicht angebracht wurden — und in befriedeten Bezirken besteht ohnehin keine Ersatzpflicht. Der eigene Schutz ist damit nicht nur die wirksamste, sondern oft auch die einzig sinnvolle Reaktion.
Wildkaninchen abhalten — Zaun und Drahtgeflecht
Der mit Abstand verlässlichste Schutz ist eine mechanische Barriere. Wildkaninchen sind hervorragende Gräber, deshalb kommt es auf die richtige Ausführung an:
- Zaun mit eingegrabenem Drahtgeflecht: Ein engmaschiger Maschendraht oder Kaninchendraht wird etwa einen halben Meter tief in den Boden eingelassen, am besten am unteren Ende nach außen abgewinkelt, damit untergrabende Tiere auf Widerstand stoßen. Oberirdisch sollte der Zaun mindestens einen halben bis ganzen Meter hoch sein.
- Maschenweite: fein genug wählen, damit auch Jungtiere nicht hindurchschlüpfen.
- Beete und Gemüse: gefährdete Flächen mit niedrigen Drahtumzäunungen oder Kulturschutznetzen sichern; Hochbeete von unten mit Draht auslegen.
- Einzelpflanzen und Stämme: junge Bäume und Sträucher mit Drahtmanschetten oder Stammschutz gegen Winterverbiss umgeben.
Ergänzend lässt sich der Garten unattraktiver machen: dichte Verstecke, ungemähte Böschungen und Reisighaufen als Unterschlupf reduzieren, nicht mehr genutzte Röhren verfüllen. Vergrämungsmittel mit Geruch oder Bewegungsmelder-Sprinkler können kurzfristig stören, sind aber unzuverlässig — die eingegrabene Barriere bleibt die einzige dauerhaft wirksame Lösung.
Wildkaninchen dauerhaft vorbeugen
Damit Wildkaninchen den Garten gar nicht erst als Lebensraum annehmen, hilft eine Kombination aus baulichem Schutz und unattraktiver Gestaltung:
- den Garten an den Rändern dauerhaft mit eingegrabenem Drahtgeflecht sichern und den Zaun regelmäßig auf Untergrabungen kontrollieren
- Verstecke reduzieren: Reisig- und Komposthaufen mit Abstand zum Beet, dichte Bodendecker und ungenutzte Ecken zurücknehmen
- Fallobst und Gemüsereste nicht offen liegen lassen
- besonders gefährdete Kulturen wie Salat und Junggemüse von vornherein in geschützten Bereichen oder Hochbeeten ziehen
Kräftige, gut versorgte Pflanzen verkraften gelegentlichen Anfraß besser; wie Sie Ihre Pflanzen widerstandsfähig halten, beschreibt der Ratgeber zum Pflanzen stärken. Bei größeren Beständen im Wohnumfeld lohnt der frühe Kontakt zu Gemeinde oder Jagdpächter, bevor sich eine Kolonie etabliert.
Häufige Fragen
Darf ich Wildkaninchen in meinem Garten fangen oder töten?
In der Regel nicht. Das Wildkaninchen unterliegt dem Jagdrecht, und Hausgärten gelten als befriedete Bezirke, in denen die Jagd nur mit Sondergenehmigung der Behörde zulässig ist. Als Bewohner dürfen Sie das Tier nur vertreiben und Ihren Garten mechanisch schützen.
Wie erkenne ich, dass Wildkaninchen in meinem Garten sind?
An glatt abgebissenen Trieben, im Winter an angenagter Rinde junger Gehölze, an runden Buddellöchern mit Erdauswurf und an kleinen, kugelrunden Kotpillen in losen Häufchen. Diese Kombination ist sehr typisch für Wildkaninchen.
Wie tief muss ein Zaun gegen Wildkaninchen eingegraben werden?
Etwa einen halben Meter, weil Kaninchen ausgezeichnete Gräber sind. Am besten wird das Drahtgeflecht am unteren Ende nach außen abgewinkelt, damit untergrabende Tiere auf Widerstand stoßen. Oberirdisch sollte der Zaun mindestens einen halben bis ganzen Meter hoch sein.
Helfen Vergrämungsmittel oder Ultraschall gegen Wildkaninchen?
Nur begrenzt und kurzfristig. Geruchsmittel und Bewegungsmelder-Sprinkler können vorübergehend stören, doch die Tiere gewöhnen sich daran. Die einzige dauerhaft verlässliche Lösung ist ein tief eingegrabener, engmaschiger Zaun.
Muss mir jemand den Wildschaden im Garten ersetzen?
Meist nicht. In befriedeten Bezirken besteht keine Ersatzpflicht, und für Gärten entfällt sie in der Regel auch dann, wenn übliche Schutzvorrichtungen nicht angebracht wurden. Der eigene Schutz ist deshalb die wichtigste Maßnahme.
An wen wende ich mich bei einer großen Kaninchenplage?
Bei einem etablierten Bestand im Wohngebiet sind die Gemeinde, die untere Jagdbehörde oder der Jagdpächter die richtigen Ansprechpartner. Eigenmächtige Fang- oder Giftaktionen sind unzulässig und gefährlich.