Insekten

Maulwurfsgrille erkennen und umsiedeln

Die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa), auch Werre genannt, ist ein bis zu fünf Zentimeter großes, walzenförmiges Insekt mit auffällig kräftigen, schaufelartigen Grabbeinen. Sie gräbt fingerdicke Gänge dicht unter der Oberfläche und kann dabei Wurzeln von Jungpflanzen durchtrennen. Bevor Sie zur Bekämpfung greifen, lohnt der genaue Blick: Die Maulwurfsgrille steht auf der bundesweiten Roten Liste als gefährdet und in mehreren Bundesländern auf den Landeslisten. In geringer Zahl ist sie sogar nützlich, weil sie Engerlinge, Drahtwürmer und Schneckeneier frisst. Schonendes Umsiedeln mit eingegrabenen Gläsern ist deshalb fast immer die bessere Wahl als Bekämpfung.
Aktualisiert am 4. September 2026
Maulwurfsgrille mit kräftigen, schaufelartigen Grabbeinen auf Gartenerde
Die schaufelartigen Grabbeine sind das sicherste Erkennungsmerkmal der Maulwurfsgrille. · Symbolbild, KI-generiert

Maulwurfsgrille erkennen

Die Maulwurfsgrille ist kaum zu verwechseln, wenn man sie einmal gesehen hat: drei bis fünf Zentimeter lang, walzenförmig, samtig braun behaart, mit kurzen Vorderflügeln und langen Hinterleibsanhängen — und vor allem mit zwei kräftigen, schaufelartigen Vorderbeinen, die an die Grabhände eines Maulwurfs erinnern. Genau diese Grabbeine sind das sicherste Erkennungsmerkmal. Trotz ihres unterirdischen Lebens kann sie fliegen: In warmen Mai- und Juninächten schwärmen die Tiere aus und landen mitunter an beleuchteten Fenstern oder Terrassen.

Da die Maulwurfsgrille fast ausschließlich unterirdisch lebt und nachtaktiv ist, erkennt man sie meist an ihren Spuren:

  • fingerdicke, oberflächennahe Gänge, die sich auf Beeten und im Rasen als leicht aufgeworfene, gewundene Wülste abzeichnen — wie Maulwurfsgänge im Miniaturformat
  • kleine, runde Erdlöcher von etwa zwei bis drei Zentimetern Durchmesser als Ein- und Ausgänge, ohne größeren Erdhaufen
  • welkende oder umkippende Jungpflanzen, deren Wurzeln durch das Graben beschädigt wurden, oft in einer Reihe entlang eines Gangs
  • gelegentlich grobe Fraßstellen an Wurzelgemüse und Kartoffelknollen

An warmen Abenden von April bis Juni zirpen die Männchen aus dem Eingang ihrer Röhre — ein leises, gleichmäßiges Schnurren, das an eine ferne Nachtschwalbe erinnert. Die Maulwurfsgrille bevorzugt lockere, feuchte Sand- und Lehmböden und Kompostnähe, also genau die gut gepflegten, humosen Gartenböden.

Abgrenzung zu anderen Bodenbewohnern: Der Maulwurf wirft große, runde und hohe Haufen auf, deren Gang senkrecht von unten in die Mitte mündet; offene Löcher lässt er nicht zurück. Die Wühlmaus legt flache, eher längliche Haufen an, deren Gang seitlich abzweigt; ihre Gänge sind vier bis fünf Zentimeter weit und die Pflanzen sind an den Wurzeln abgenagt. Beide Fälle erklärt der Vergleich „Wühlmaus oder Maulwurf – die Hügel richtig deuten“. Kleine Löcher mit einem feinen Erdkrater stammen dagegen von Erdbienen oder Ameisen. Wer zwischen mehreren Erdhaufen schwankt, findet im Beitrag „Erdhaufen im Rasen – wer gräbt da?“ eine Übersicht.

Wichtig: bundesweit gefährdet und oft nützlich

Erst beobachten, nicht vorschnell bekämpfen.

Bevor Sie über Bekämpfung nachdenken, sollten Sie den Status der Maulwurfsgrille kennen. Die Europäische Maulwurfsgrille wird auf der bundesweiten Roten Liste der Heuschrecken und Fangschrecken (Bundesamt für Naturschutz und Rote-Liste-Zentrum, Ausgabe 2024) in Kategorie 3 als gefährdet geführt und steht auch auf mehreren Roten Listen der Länder (Stand: September 2026). Ein gesetzlicher Artenschutz wie beim besonders geschützten Maulwurf besteht nicht — es ist also nicht verboten, gegen sie vorzugehen. Der langfristig stark rückläufige Bestand ist aber ein gutes Argument für ein behutsames Vorgehen: Feuchtwiesen, Niedermoore und Kleingewässerufer sind durch Entwässerung und Versiegelung geschrumpft, und auch die klassischen Gemüsegärten, die die Art gern besiedelt, sind seltener geworden. Der Hausgarten ist damit für die Maulwurfsgrille zu einem wichtigen Ersatzlebensraum geworden.

Hinzu kommt der ökologische Nutzen: Die Maulwurfsgrille ist Allesfresser. In geringer Zahl ist sie ein Nützling, weil sie Engerlinge, Drahtwürmer, Schadraupen, Käferlarven und Schneckeneier frisst und damit andere Bodenschädlinge in Schach hält. Viele vermeintliche Maulwurfsgrillen-Schäden gehen zudem auf andere Ursachen zurück — Wühlmäuse, Engerlinge, Trockenheit oder Wurzelfäule. Der unterirdische Lebensstil macht sie zum bequemen Sündenbock.

Die ähnliche Logik kennen Gärtner vom Maulwurf: Auch er gräbt sichtbare Spuren, ist aber als Insektenjäger nützlich und als besonders geschützte Art nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz weder zu fangen noch zu töten — erlaubt sind nur Vergrämung und das Abtragen der Hügel; Verstöße können mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden, vorsätzliche Fälle sogar als Straftat verfolgt werden. Bei der Maulwurfsgrille gilt sinngemäß: Wo der Schaden gering ist, überwiegt der Nutzen, und das gefährdete Tier sollte geschont werden.

Nahaufnahme einer Maulwurfsgrille auf dunkler Erde.
Die Maulwurfsgrille ist an ihren markanten Grabschaufeln an den Vorderbeinen deutlich erkennbar. · Symbolbild, KI-generiert

Welche Schäden verursacht die Maulwurfsgrille?

Schaden entsteht vor allem durch die Grabtätigkeit, weniger durch Fraß: Beim Anlegen ihrer Gänge dicht unter der Oberfläche durchtrennt die Maulwurfsgrille feine Wurzeln. Junge, frisch gesetzte Pflanzen und Aussaaten reagieren darauf empfindlich:

  • welkende oder umkippende Jungpflanzen, deren Wurzelwerk beim Graben verletzt wurde — typisch bei Salat, Kohl, Tomaten und Gurken kurz nach dem Auspflanzen
  • gestörte Keimlinge in frisch gesäten Beeten, oft in Reihen entlang eines Gangs
  • gelegentlich Fraßstellen an Wurzelgemüse, Kartoffeln und Erdbeerwurzeln
  • im Rasen aufgewölbte Gangwülste, die beim Mähen aufreißen

In Gärten mit nur wenigen Tieren bleibt der Schaden meist überschaubar und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen als Engerlingsjäger. Kritisch wird es erst bei starkem Befall: Das Weibchen legt im Mai oder Juni in einer etwa hühnereigroßen Brutkammer wenige Zentimeter unter der Oberfläche mehrere hundert Eier ab und bewacht sie. Die Larven schlüpfen nach zwei bis drei Wochen und entwickeln sich in Mitteleuropa in ein bis zwei Jahren zum erwachsenen Tier — ein Bestand wächst also langsam, kann sich in feuchten Gärten aber über Jahre aufbauen. Die Hauptschadzeit liegt im späten Frühjahr und Frühsommer, wenn die Tiere oberflächennah graben und die Beete voller Jungpflanzen stehen.

Wichtig ist deshalb, das Schadbild realistisch einzuordnen: Welkende Einzelpflanzen rechtfertigen noch keine Bekämpfung. Beobachten Sie zunächst, ob tatsächlich die Maulwurfsgrille die Ursache ist — Gänge und Löcher in unmittelbarer Nähe sind der Beleg — und ob der Schaden ein erträgliches Maß übersteigt.

Eingegrabener Plastikbecher als Bodenfalle in einem Gemüsebeet.
Ebenerdig eingegrabene Gefäße dienen als Lebendfalle, um die Tiere ohne Verletzungen umzusiedeln. · Symbolbild, KI-generiert

Umsiedeln statt bekämpfen

Wegen des gefährdeten Bestands und des ökologischen Nutzens ist das schonende Umsiedeln einzelner Tiere das Mittel der Wahl. Bei leichtem bis mittlerem Befall funktioniert das gut:

  • Lebendfallen eingraben: glattwandige Gefäße wie große Einmachgläser, Konservendosen oder Blumentöpfe mit abgedichtetem Boden werden so eingegraben, dass der Rand ebenerdig abschließt — am besten direkt in einen frischen Gang oder quer zur Laufrichtung. Die nachtaktiven Tiere fallen hinein und kommen an der glatten Wand nicht mehr heraus. Fertige Maulwurfsgrillen-Lebendfallen aus dem Handel arbeiten nach demselben Prinzip.
  • Zeitpunkt: Von Mai bis Juli, in der Paarungs- und Eiablagezeit, sind die Tiere oberflächennah besonders aktiv und lassen sich am leichtesten fangen. Ein kleiner Köder aus Haferflocken oder etwas Bier im Glas erhöht die Ausbeute.
  • Fallen täglich kontrollieren: gefangene Tiere morgens entnehmen, damit sie nicht vertrocknen oder von Vögeln geholt werden, und an einem geeigneten Ort wieder aussetzen — in einem naturnahen, feuchten Bereich mit lockerem Boden, mindestens einige hundert Meter von den Beeten entfernt.
  • Brutkammern beim Umgraben: Stoßen Sie im Juni auf eine Kammer mit hellen Eiern oder winzigen Larven, können Sie sie samt Erde in einen Eimer heben und außerhalb des Gartens wieder eingraben.
  • Standort unattraktiver machen: Da die Maulwurfsgrille feuchte Böden bevorzugt, hilft es, gefährdete Beete nicht dauerhaft nass zu halten und gezielt statt flächig zu gießen.

So dämmen Sie örtliche Schäden ein, ohne den ohnehin gefährdeten Bestand aktiv zu dezimieren. Eine chemische Bekämpfung ist im Hausgarten weder nötig noch sinnvoll und sollte angesichts des Gefährdungsstatus unterbleiben; zugelassene Mittel für den Haus- und Kleingarten gibt es dafür ohnehin praktisch nicht. Bei sehr starkem, nachgewiesenem Befall bieten Fachhändler Nützlingsnematoden der Art Steinernema carpocapsae an, die im Frühjahr und Frühsommer bei Bodentemperaturen über etwa zwölf Grad mit der Gießkanne ausgebracht werden und vor allem die Larven parasitieren — auch das ist ein Eingriff in den Bestand und sollte die Ausnahme bleiben. Wie das Ausbringen grundsätzlich funktioniert, beschreibt der Beitrag „Nematoden richtig einsetzen“.

Maulwurfsgrille vorbeugen

Ganz fernhalten lässt sich die Maulwurfsgrille kaum, denn sie besiedelt genau die lockeren, humosen Böden, die guten Gärten eigen sind. Den Druck auf empfindliche Beete können Sie aber senken:

  • gezielt und maßvoll gießen statt Beete dauerhaft feucht zu halten — trockenere Oberböden sind weniger attraktiv; Tropfbewässerung an der Pflanze statt Flächenberegnung
  • frisch gesäte und gepflanzte Bereiche im Auge behalten und bei welkenden Jungpflanzen die Ursache prüfen, bevor Sie eingreifen
  • besonders empfindliche Aussaaten in Anzuchtgefäßen oder Hochbeeten vorziehen und erst als kräftige Jungpflanzen auspflanzen — größere Wurzelballen verkraften einen Gang daneben
  • den Boden bei der Beetvorbereitung im Frühjahr und Herbst durcharbeiten, wodurch Gänge und Brutkammern gestört werden; Kompost- und Misthaufen als bevorzugte Überwinterungsplätze mit Abstand zu den Gemüsebeeten anlegen

Generell gilt: Ein lebendiger, vielfältiger Garten mit natürlichen Gegenspielern hält auch die Maulwurfsgrille im Gleichgewicht. Igel, Spitzmäuse, Maulwürfe, Stare und Amseln fressen die Tiere und ihre Larven. Da die Maulwurfsgrille selbst Engerlinge und Drahtwürmer frisst, kann ein kleiner Bestand sogar Teil dieses Gleichgewichts sein. Wie Sie mit Engerlingen im Rasen umgehen, beschreibt der Beitrag „Engerlinge im Boden bestimmen und bekämpfen“.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine Maulwurfsgrille sicher?

An den großen, schaufelartigen Grabbeinen, die an die Grabhände eines Maulwurfs erinnern. Dazu kommen fingerdicke, gewundene Gänge dicht unter der Oberfläche und kleine Erdlöcher von zwei bis drei Zentimetern ohne größeren Erdhaufen. So lässt sie sich von Maulwurf, Wühlmaus und Erdbienen abgrenzen.

Ist die Maulwurfsgrille geschützt?

Einen gesetzlichen Artenschutz wie beim Maulwurf gibt es nicht, ein Bekämpfungsverbot also auch nicht. Die Maulwurfsgrille steht aber auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet und in mehreren Bundesländern auf den Landeslisten. Schon deshalb ist ein behutsames Vorgehen — umsiedeln statt bekämpfen — angebracht.

Ist die Maulwurfsgrille schädlich oder nützlich?

Beides, je nach Anzahl. Durch ihre Grabtätigkeit kann sie Wurzeln verletzen und Jungpflanzen schädigen. In geringer Zahl ist sie jedoch nützlich, weil sie Engerlinge, Drahtwürmer und Schneckeneier frisst. Oft überwiegt der Nutzen.

Wie siedle ich eine Maulwurfsgrille um?

Mit eingegrabenen, glattwandigen Lebendfallen, etwa großen Gläsern, die ebenerdig in einen frischen Gang eingelassen werden. Am besten klappt das von Mai bis Juli. Die nachtaktiven Tiere fallen hinein, sollten morgens entnommen und in einem naturnahen, feuchten Bereich einige hundert Meter von den Beeten entfernt wieder freigelassen werden.

Warum habe ich gerade Maulwurfsgrillen im Garten?

Die Maulwurfsgrille bevorzugt lockere, feuchte, humose Sand- und Lehmböden, Kompostnähe und Gewässernähe — also gut gepflegte Gartenböden. Vor allem dauerhaft feuchte Beete sind attraktiv. Maßvolleres, gezieltes Gießen macht den Standort unattraktiver.

Maulwurfsgrille oder Wühlmaus — wer war es?

Die Maulwurfsgrille hinterlässt fingerdicke, gewundene Gangwülste und Löcher von zwei bis drei Zentimetern; die Pflanzen welken, weil feine Wurzeln durchtrennt sind. Die Wühlmaus legt flache Erdhaufen und vier bis fünf Zentimeter weite Gänge an und nagt Wurzeln ab, sodass sich die Pflanze ohne Widerstand herausziehen lässt.

Muss ich die Maulwurfsgrille chemisch bekämpfen?

Im Hausgarten in aller Regel nicht — zugelassene Mittel gibt es dafür praktisch nicht. Angesichts des gefährdeten Bestands und des Nutzens als Schädlingsjäger sind Beobachten und Umsiedeln die bessere Wahl. Bei sehr starkem, nachgewiesenem Befall kommen allenfalls Nematoden im Frühsommer infrage.

Quellen & Prüfung

Gefährdungsstatus nach der Roten Liste und Gesamtartenliste der Heuschrecken und Fangschrecken Deutschlands (Poniatowski et al. 2024, Bundesamt für Naturschutz und Rote-Liste-Zentrum, Kategorie 3 „Gefährdet“, Langzeittrend starker Rückgang) sowie den Roten Listen der Länder; ökologische Einordnung u. a. nach NABU. Ein gesetzlicher Artenschutz nach BNatSchG oder Bundesartenschutzverordnung besteht nicht; der zum Vergleich genannte Maulwurf ist nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt (Bußgeldrahmen § 69 BNatSchG). Stand: September 2026.

Hinweis zur Erstellung

Die Texte und Bilder dieses Beitrags wurden KI-gestützt erstellt und redaktionell strukturiert. Die Inhalte ersetzen keine fachliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall; rechtliche Angaben — etwa zu Schutzstatus, Bußgeldern oder Zulassungen — sind ohne Gewähr. Wir aktualisieren Beiträge regelmäßig, wenn sich Erkenntnisse oder Empfehlungen für den Garten ändern.

Erstellt durch Ungeziefer im Garten · Strukturiert durch Ungeziefer im Garten

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