Insekten

Maulwurfsgrille erkennen und umsiedeln

Die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) ist ein bis zu fünf Zentimeter großes, walzenförmiges Insekt mit auffällig kräftigen, schaufelartigen Grabbeinen. Sie gräbt fingerdicke Gänge dicht unter der Oberfläche und kann dabei Wurzeln verletzen. Bevor Sie zur Bekämpfung greifen, lohnt der genaue Blick: Die Maulwurfsgrille wird bundesweit als gefährdet geführt und steht in mehreren Bundesländern auf den Roten Listen. In geringer Zahl ist sie sogar nützlich, weil sie Engerlinge, Drahtwürmer und Schneckeneier frisst. Schonendes Umsiedeln ist deshalb fast immer die bessere Wahl als Bekämpfung.
Aktualisiert am 10. Juni 2026

Maulwurfsgrille erkennen

Die Maulwurfsgrille ist kaum zu verwechseln, wenn man sie einmal gesehen hat: drei bis fünf Zentimeter lang, walzenförmig, samtig braun behaart — und vor allem mit zwei kräftigen, schaufelartigen Vorderbeinen, die an die Grabhände eines Maulwurfs erinnern. Genau diese Grabbeine sind das sicherste Erkennungsmerkmal.

Da das Tier fast ausschließlich unterirdisch lebt und nachtaktiv ist, erkennt man es meist an seinen Spuren:

  • fingerdicke, oberflächennahe Gänge, die sich auf Beeten und im Rasen als leicht aufgeworfene Linien abzeichnen
  • kleine Erdlöcher von etwa zwei bis drei Zentimetern Durchmesser als Ein- und Ausgänge
  • welkende oder umkippende Jungpflanzen, deren Wurzeln durch das Graben beschädigt wurden
  • gelegentlich grobe Fraßstellen an Wurzelgemüse

An warmen Frühsommerabenden kann man die Männchen mitunter zirpen hören. Die Maulwurfsgrille bevorzugt lockere, feuchte Sand- und Lehmböden — also genau die gut gepflegten, humosen Gartenböden.

Wichtig: regional gefährdet und oft nützlich

Erst beobachten, nicht vorschnell bekämpfen.

Bevor Sie über Bekämpfung nachdenken, sollten Sie den Status der Maulwurfsgrille kennen. Die Gemeine Maulwurfsgrille wird bundesweit als gefährdet eingestuft und steht in mehreren Bundesländern auf den Roten Listen der gefährdeten Arten. Ein gesetzlicher Artenschutz wie beim besonders geschützten Maulwurf besteht zwar nicht, doch die Gefährdung ist ein gutes Argument für ein behutsames Vorgehen.

Hinzu kommt der ökologische Nutzen: In geringer Zahl ist die Maulwurfsgrille ein Nützling. Sie frisst Engerlinge, Drahtwürmer, Schadraupen, Käferlarven und Schneckeneier und hält damit andere Bodenschädlinge in Schach. Viele vermeintliche Maulwurfsgrillen-Schäden gehen zudem auf andere Ursachen zurück — der unterirdische Lebensstil macht sie zum bequemen Sündenbock.

Die ähnliche Logik kennen Gärtner vom Maulwurf: Auch er gräbt sichtbare Spuren, ist aber als Insektenjäger nützlich und steht unter besonderem Schutz. Bei der Maulwurfsgrille gilt sinngemäß: Wo der Schaden gering ist, überwiegt der Nutzen, und das gefährdete Tier sollte geschont werden.

Welche Schäden verursacht die Maulwurfsgrille?

Schaden entsteht vor allem durch die Grabtätigkeit, weniger durch Fraß: Beim Anlegen ihrer Gänge dicht unter der Oberfläche durchtrennt die Maulwurfsgrille feine Wurzeln. Junge, frisch gesetzte Pflanzen und Aussaaten reagieren darauf empfindlich:

  • welkende oder umkippende Jungpflanzen, deren Wurzelwerk beim Graben verletzt wurde
  • gestörte Keimlinge in frisch gesäten Beeten
  • gelegentlich Fraßstellen an Wurzelgemüse

In Gärten mit nur wenigen Tieren bleibt der Schaden meist überschaubar und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen als Engerlingsjäger. Kritisch wird es erst bei starkem Befall — etwa wenn ein Weibchen in seinem faustgroßen Brutloch viele Eier abgelegt hat und zahlreiche Larven heranwachsen. Die Entwicklung der Larven dauert dabei lange, oft über mehrere Jahre.

Wichtig ist deshalb, das Schadbild realistisch einzuordnen: Welkende Einzelpflanzen rechtfertigen noch keine Bekämpfung. Beobachten Sie zunächst, ob tatsächlich die Maulwurfsgrille die Ursache ist und ob der Schaden ein erträgliches Maß übersteigt.

Umsiedeln statt bekämpfen

Wegen des gefährdeten Bestands und des ökologischen Nutzens ist das schonende Umsiedeln einzelner Tiere das Mittel der Wahl. Bei leichtem Befall funktioniert das gut:

  • Lebendfallen eingraben: ebenerdig in den Boden eingelassene, glattwandige Gefäße — etwa große Gläser — fangen die nachtaktiven Tiere ein, ohne sie zu verletzen. Sie können auch fertige Maulwurfsgrillen-Lebendfallen verwenden.
  • Fallen regelmäßig kontrollieren: gefangene Tiere zeitnah entnehmen, damit sie nicht eingehen, und an einem geeigneten Ort wieder aussetzen, an dem sie keinen Schaden anrichten — etwa in einem naturnahen Bereich abseits der Beete.
  • Standort unattraktiver machen: Da die Maulwurfsgrille feuchte Böden bevorzugt, hilft es, gefährdete Beete nicht dauerhaft nass zu halten und gezielt statt flächig zu gießen.

So dämmen Sie örtliche Schäden ein, ohne den ohnehin gefährdeten Bestand aktiv zu dezimieren. Eine chemische Bekämpfung ist im Hausgarten weder nötig noch sinnvoll und sollte angesichts des Gefährdungsstatus unterbleiben — höchstens bei sehr starkem, nachgewiesenem Befall und nach fachlicher Beratung käme sie überhaupt in Betracht.

Maulwurfsgrille vorbeugen

Ganz fernhalten lässt sich die Maulwurfsgrille kaum, denn sie besiedelt genau die lockeren, humosen Böden, die guten Gärten eigen sind. Den Druck auf empfindliche Beete können Sie aber senken:

  • gezielt und maßvoll gießen statt Beete dauerhaft feucht zu halten — trockenere Böden sind weniger attraktiv
  • frisch gesäte und gepflanzte Bereiche im Auge behalten und bei welkenden Jungpflanzen die Ursache prüfen, bevor Sie eingreifen
  • besonders empfindliche Aussaaten in Anzuchtgefäßen oder Hochbeeten vorziehen
  • den Boden bei der Beetvorbereitung im Frühjahr und Herbst durcharbeiten, wodurch Gänge und Brutkammern gestört werden

Generell gilt: Ein lebendiger, vielfältiger Garten mit natürlichen Gegenspielern hält auch die Maulwurfsgrille im Gleichgewicht. Da sie selbst Engerlinge und Drahtwürmer frisst, kann ein kleiner Bestand sogar Teil dieses Gleichgewichts sein. Wie Sie mit Engerlingen im Rasen umgehen, beschreibt der eigene Ratgeber dazu.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich eine Maulwurfsgrille sicher?

An den großen, schaufelartigen Grabbeinen, die an die Grabhände eines Maulwurfs erinnern. Dazu kommen fingerdicke Gänge dicht unter der Oberfläche und kleine Erdlöcher von zwei bis drei Zentimetern. So lässt sie sich von anderen Bodenbewohnern abgrenzen.

Ist die Maulwurfsgrille geschützt?

Einen gesetzlichen Artenschutz wie beim Maulwurf gibt es nicht, aber die Maulwurfsgrille gilt bundesweit als gefährdet und steht in mehreren Bundesländern auf den Roten Listen. Schon deshalb ist ein behutsames Vorgehen — umsiedeln statt bekämpfen — angebracht.

Ist die Maulwurfsgrille schädlich oder nützlich?

Beides, je nach Anzahl. Durch ihre Gräbtätigkeit kann sie Wurzeln verletzen und Jungpflanzen schädigen. In geringer Zahl ist sie jedoch nützlich, weil sie Engerlinge, Drahtwürmer und Schneckeneier frisst. Oft überwiegt der Nutzen.

Wie siedle ich eine Maulwurfsgrille um?

Mit eingegrabenen, glattwandigen Lebendfallen, etwa großen Gläsern, die ebenerdig in den Boden eingelassen werden. Die nachtaktiven Tiere fallen hinein, sollten täglich entnommen und an einem naturnahen Ort abseits der Beete wieder freigelassen werden.

Warum habe ich gerade Maulwurfsgrillen im Garten?

Die Maulwurfsgrille bevorzugt lockere, feuchte, humose Sand- und Lehmböden — also gut gepflegte Gartenböden. Vor allem dauerhaft feuchte Beete sind attraktiv. Maßvolleres, gezieltes Gießen macht den Standort unattraktiver.

Muss ich die Maulwurfsgrille chemisch bekämpfen?

Im Hausgarten in aller Regel nicht. Angesichts des gefährdeten Bestands und des Nutzens als Schädlingsjäger sind Beobachten und Umsiedeln die bessere Wahl. Eine chemische Bekämpfung käme höchstens bei sehr starkem, nachgewiesenem Befall und nach fachlicher Beratung infrage.

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