Behandlung

Ameisen im Garten bekämpfen – sinnvoll umsiedeln statt vernichten

Ameisen sind keine Pflanzenschädlinge — sie fressen weder gesunde Blätter noch Früchte, lockern den Boden und vertilgen viele kleine Insekten. Lästig werden sie fast immer auf zwei Wegen: Sie pflegen und beschützen Blattläuse, deren süßen Honigtau sie ernten, und sie legen Nester an ungünstigen Stellen an — unter Terrassenplatten, in Töpfen, Hochbeeten und im Rasen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie genau dort eingreifen, wo es nötig ist: durch schonendes Umsiedeln und das Beheben der eigentlichen Ursache, nicht durch Gift im Beet.
Aktualisiert am 10. Juni 2026

Erst verstehen: Ameisen sind Nützlinge, keine Pflanzenschädlinge

Bevor Sie etwas tun, lohnt der Blick auf die Rolle der Ameise im Garten.

Ameisen fressen keine gesunden Pflanzenteile. Sie lockern und durchlüften den Boden, transportieren Nährstoffe, räumen tote Insekten und Aas weg und vertilgen viele kleine Schadinsekten und deren Larven. Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt sie die natürliche Putzkolonne des Gartens und weist darauf hin, dass Ameisen in ihrer Gesamtheit mehr Bodenmaterial umsetzen als Regenwürmer (LfU Bayern, UmweltWissen Ameisen, 2013).

Wenn Ameisen lästig werden, hat das fast immer einen von zwei Gründen:

  • Sie pflegen Blattläuse, Woll- oder Schildläuse und ernten deren zuckerhaltigen Honigtau. Dabei verteidigen sie ihre „Herde“ aktiv gegen Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegenlarven — der Lausbefall kann so viel größer werden, als er ohne Ameisen je würde.
  • Sie legen Nester an ungünstigen Stellen an: unter Terrassenplatten, in Pflasterfugen, in Töpfen, Hochbeeten oder mitten im Rasen.

Daraus folgt der Grundsatz dieses Ratgebers: Nicht die Ameise ist das Ziel, sondern das konkrete Problem. Im freien Beet, unter Hecken oder am Komposthaufen sollte ein Nest fast immer bleiben.

Wichtig: geschützte Arten erkennen und in Ruhe lassen

Bevor Sie ein Nest anrühren, muss die Art geklärt sein. In Mitteleuropa sind im Hausgarten meist die harmlose Schwarze Wegameise (Lasius niger) und verschiedene Wiesenameisen unterwegs — drei bis fünf Millimeter groß, dunkelbraun bis schwarz.

Ganz anders die hügelbauenden Waldameisen der Gattung Formica, etwa die Rote Waldameise und die Große Wiesenameise: Sie und elf weitere Arten sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt (LfU Bayern, 2013). Ihre auffälligen, oft kniehohen Nesthügel aus Nadeln und Pflanzenresten dürfen weder zerstört noch dürfen die Tiere getötet oder entnommen werden — das verbietet das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG; Deutsche Ameisenschutzwarte, abgerufen 2026). Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

Wer einen großen Nesthügel im Garten hat und ihn dennoch versetzen lassen muss, wendet sich an die untere Naturschutzbehörde oder eine Ameisenschutzwarte — solche Umsiedlungen brauchen eine Ausnahmegenehmigung und Fachleute.

Der wichtigste Hebel: die Blattlaus-Ursache bekämpfen

Eine Ameisenstraße auf einem Strauch oder einer Staude ist in den allermeisten Fällen kein Ameisen-, sondern ein Blattlausproblem. Die Ameisen „melken“ die Läuse, indem sie sie mit den Fühlern betrillern, und tragen den süßen Honigtau ein; im Gegenzug verteidigen sie die Kolonie gegen Nützlinge und tragen Läuse sogar auf neue Pflanzen (NABU, Blattläuse, abgerufen 2026; LfU Bayern, 2013).

Deshalb gilt: Wer den Lausbefall beseitigt, ist die zugehörige Ameisenstraße meist von selbst los. Das Vorgehen:

  • befallene Triebspitzen und Blattunterseiten mit kräftigem Wasserstrahl abspülen
  • bei stärkerem Befall mit Schmierseifenlösung oder Neemöl behandeln
  • Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen als natürliche Gegenspieler fördern
  • den Aufstieg unterbrechen: einen Leimring am Stamm hält Ameisen ab, sodass die Nützlinge die Läuse ungestört dezimieren können

Die ausführliche Anleitung mit Bewertung aller Methoden finden Sie auf der Seite „Blattläuse bekämpfen“. Solange der Honigtau fließt, kommen die Ameisen immer wieder — die Lausbekämpfung ist also die nachhaltigste Maßnahme.

Nester umsiedeln statt vernichten — die Blumentopf-Methode

Muss ein Nest weichen — etwa aus einem Hochbeet, einem Kübel oder einem viel genutzten Sitzplatz —, ist Umsiedeln deutlich sinnvoller als Vernichten. Es ist tierschonend, beseitigt das ganze Volk samt Königin und hinterlässt keine Giftrückstände im Boden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt es als schonende Standardmethode (LfU Bayern, 2013).

So gehen Sie vor:

  • einen Tontopf locker mit feuchter Holzwolle oder feuchtem Stroh füllen
  • den Topf umgedreht über das Nest stellen, sodass das warme, trockene Innere für die Ameisen attraktiver ist als der bisherige Standort
  • das Nest darunter einige Tage in Ruhe lassen und leicht feucht halten — die Ameisen tragen Brut und Königin nach oben in den Topf um
  • nach einigen Tagen den Topf vorsichtig mit einem Brett oder Spaten unterfahren und an einen geeigneten Ort tragen, möglichst 20 bis 30 Meter entfernt, etwa an einen Wald- oder Heckenrand
  • die alte Stelle anschließend durchwässern und mit frischer Erde abdecken

Wichtig: Geht es um einen geschützten Waldameisen-Hügel, ist diese Eigenumsiedlung nicht erlaubt — hier sind Naturschutzbehörde und Fachleute zuständig.

Standort entschärfen und abdichten

Ameisen nisten gern an warmen, trockenen, gut drainierten Stellen mit lockerem Untergrund. Wer diese Bedingungen verändert, macht den Platz unattraktiv — oft wirksamer als jede Bekämpfung:

  • unter Terrassenplatten und Wegen statt Sand groben Splitt verwenden: In Splitt bauen Ameisen keine Nester (LfU Bayern, 2013)
  • bestehende Pflasterfugen mit fugenfestem Sand oder Pflasterfugenmörtel dauerhaft schließen
  • Hochbeete, Kübel und Balkonkästen regelmäßig durchdringend wässern — feuchtes Substrat mögen Ameisen nicht
  • Ameisenstraßen im Haus durch das Abdichten von Ritzen mit Silikon oder Gips und das Wischen mit Essigwasser unterbrechen, das die Duftspur überlagert
  • süße Speisen und offenes Tierfutter draußen nicht stehen lassen

Wird ein Nest regelmäßig gestört — etwa durch wiederholtes Einebnen oder Wässern —, vernachlässigen die Ameisen ihre Brut und verlassen den Standort häufig von selbst (LfU Bayern, 2013). Das ist eine schonende Alternative zum Eingriff in feste Flächen.

Hausmittel und Gift: was Sie sich sparen können

Viele populäre Tipps gegen Ameisen sind unwirksam, grausam oder schlicht verboten:

  • Backpulver und Natron sollen Ameisen angeblich von innen zerplatzen lassen. Das ist ein Mythos: Die Wirkung ist nicht belegt, und falls überhaupt etwas passiert, bedeutet es einen qualvollen Tod — Tierquälerei ohne Nutzen.
  • Kochendes Wasser tötet zwar Ameisen, trifft aber auch Regenwürmer, Bodenleben und Pflanzenwurzeln und ist im Beet keine sinnvolle Lösung.
  • Salz, Zitronensaft oder Essig direkt aufs Nest schaden dem Boden und vertreiben das Volk meist nur kurzfristig.

Sinnvoll sind dagegen das schonende Vergrämen über Düfte (Lavendel, Eukalyptus, Zimt, Gewürznelken) entlang der Ameisenstraßen sowie die oben beschriebenen baulichen Maßnahmen.

Chemische Ameisenmittel sind im Hausgarten fast nie nötig. Wenn überhaupt, gilt: Es dürfen nur zugelassene Mittel mit dem Aufdruck „Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“ und nur in ihrem zugelassenen Anwendungsgebiet eingesetzt werden (BVL, Pflanzenschutzmittel für Haus und Kleingarten, abgerufen 2026). Pflanzenschutzmittel dürfen nicht auf befestigten Flächen wie Terrassen, Wegen oder Pflasterfugen ausgebracht werden, und Gift an oder unter Nutzpflanzen in Beet und Hochbeet ist tabu. Lesen Sie die Gebrauchsanweisung und die Anwendungsbestimmungen — sie sind verbindlich.

Häufige Fragen

Sind Ameisen im Garten Schädlinge?

Nein. Ameisen fressen keine gesunden Pflanzen, sondern lockern den Boden und vertilgen kleine Insekten. Lästig werden sie vor allem, weil sie Blattläuse pflegen oder Nester unter Platten und in Beeten anlegen.

Warum laufen plötzlich so viele Ameisen auf einem Strauch?

Fast immer sitzen dort Blattläuse. Die Ameisen ernten deren süßen Honigtau und verteidigen die Kolonie gegen Nützlinge. Wer den Lausbefall behandelt, ist die Ameisenstraße meist von selbst wieder los.

Wie siedle ich ein Ameisennest um?

Füllen Sie einen Tontopf mit feuchter Holzwolle oder Stroh und stellen Sie ihn umgedreht über das Nest. Nach einigen Tagen ziehen Brut und Königin in den warmen Topf um. Dann den Topf unterfahren und mindestens 20 bis 30 Meter entfernt aussetzen.

Darf ich jedes Ameisennest bekämpfen?

Nein. Hügelbauende Waldameisen wie die Rote Waldameise und die Große Wiesenameise sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ihre Nester dürfen nicht zerstört werden — eine Umsiedlung ist nur über die Naturschutzbehörde und Fachleute zulässig.

Hilft Backpulver gegen Ameisen?

Nein. Die behauptete Wirkung ist nicht belegt, und falls überhaupt etwas geschieht, ist es ein qualvoller Tod ohne praktischen Nutzen. Umsiedeln, Abdichten und das Beheben der Blattlaus-Ursache sind deutlich sinnvoller.

Darf ich Ameisengift im Beet oder in Pflasterfugen einsetzen?

Pflanzenschutzmittel dürfen nicht auf befestigten Flächen wie Pflasterfugen und nicht an Nutzpflanzen ausgebracht werden; zulässig sind nur Mittel mit dem Hinweis auf Anwendung durch nichtberufliche Anwender und nur im zugelassenen Anwendungsgebiet. Im Hausgarten ist Gift fast nie nötig.

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