Behandlung
Leimringe anbringen — Timing und richtige Montage
Warum ein Leimring gegen den Frostspanner wirkt
Die Weibchen sind flügellos und müssen den Stamm hinaufklettern.
Der Leimring nutzt eine biologische Besonderheit des Frostspanners aus: Die Weibchen des Kleinen Frostspanners sind flugunfähig. Sie haben nur Flügelstummel und können nicht fliegen. Um ihre Eier in der Baumkrone abzulegen, müssen sie deshalb zu Fuß den Stamm hinaufklettern.
Genau auf diesem Weg stoppt sie ein klebriger Ring um den Stamm. Die aufsteigenden Weibchen bleiben am Leim hängen, bevor sie die Krone und damit die Knospen erreichen. So verhindern Sie die Eiablage — und damit die gefräßigen Spannerraupen, die im folgenden Frühjahr an Knospen, Blättern und jungen Früchten fressen würden. (Quelle: Ökolandbau.de, Kleiner Frostspanner, abgerufen Juni 2026.)
Der Leimring ist damit eine vorbeugende Maßnahme, die im Herbst ansetzt — lange bevor im Frühjahr überhaupt eine Raupe sichtbar wird. Gegen die bereits fressenden Raupen im Frühjahr hilft der Ring nicht mehr; dann sind Meisen und andere Vögel die wichtigsten Gegenspieler.
Das richtige Timing
Ende September/Anfang Oktober anbringen, bis ins Frühjahr belassen.
Beim Leimring entscheidet der Zeitpunkt über alles:
- Anbringen ab Ende September bis Anfang Oktober: Die Weibchen beginnen mit den ersten kühlen Nächten und Frösten ihren Aufstieg. Der Ring muss hängen, bevor sie loslaufen.
- Am Stamm belassen bis ins Frühjahr: Die Flugzeit zieht sich bis in den Winter, einzelne Tiere steigen noch spät auf. Belassen Sie den Ring etwa bis Mitte April und erneuern Sie ihn, wenn die Klebkraft nachlässt. (Quelle: Ökolandbau.de und Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Kleiner Frostspanner, abgerufen Juni 2026.)
- Im Frühjahr rechtzeitig entfernen: Sobald die Flugzeit vorbei ist, nehmen Sie den Ring ab, damit sich keine nützlichen Insekten mehr daran fangen.
Entscheidend ist: Ein Leimring im Sommer ist völlig wirkungslos, weil dann keine Weibchen aufsteigen. Wer den Ring zur falschen Jahreszeit anbringt, fängt höchstens Nützlinge. Notieren Sie sich die Maßnahme deshalb fest für Ende September.
Richtig anbringen: lückenlos und auch am Pfahl
Ein Leimring wirkt nur, wenn die Weibchen keinen Weg vorbei finden. Auf die Montage kommt es deshalb an:
- Den Ring eng und lückenlos um den Stamm legen, etwa in Brusthöhe, sodass er rundum dicht am Stamm anliegt.
- Spalten zwischen Stamm und Ring schließen: Bei rissiger Borke entstehen Lücken, durch die die Weibchen hindurchkriechen. Stopfen Sie solche Spalten unter dem Ring mit etwas Papier oder Watte aus, damit keine Unterwanderung möglich ist.
- Unbedingt auch den Stützpfahl beringen: Ein angebundener Baum hat in der Regel einen Pfahl direkt daneben. Ohne eigenen Ring klettern die Weibchen einfach den Pfahl hinauf und über die Anbindung in die Krone. Der Pfahl braucht deshalb genauso einen Leimring wie der Stamm.
- Auf glatten Sitz achten: Der Ring darf keine Falten werfen, durch die ein Schlupfweg entsteht.
Kontrollieren Sie die Ringe über den Herbst und Winter und erneuern Sie sie, wenn Laub, Staub oder Frost die Klebefläche unwirksam gemacht haben.
Tierschutz: kein offener Leim für Vögel
Leimringe können zur Falle für Vögel und Nützlinge werden.
Leimringe haben eine ernste Kehrseite: An der offenen Klebefläche verfangen sich nicht nur Frostspanner-Weibchen, sondern auch Vögel, nützliche Insekten und andere Kleintiere. Der NABU dokumentiert Fälle, in denen sich an einem einzigen Ring mehrere Meisen verklebt haben. (Quelle: NABU Leipzig, Leimfallen — Gefahr für Vögel, abgerufen Juni 2026.)
Wer den Leimring dennoch einsetzt, sollte ihn tierschutzgerecht montieren:
- Drahtmanschette verwenden: Umschließen Sie den Leimring mit einer Manschette aus Draht oder Gitter in einigen Zentimetern Abstand, sodass das Gefieder eines Vogels nicht an den Leim gelangt, die kleinen Frostspanner-Weibchen aber hindurchkriechen.
- Keine größeren offenen Klebeflächen frei zugänglich lassen.
- Regelmäßig kontrollieren: Ein verfangenes Tier braucht schnelle Hilfe — prüfen Sie die Ringe daher engmaschig.
Wägen Sie zudem ab, ob der Leimring an jedem Baum nötig ist. An Bäumen mit geringem Befall und vielen Vögeln im Garten kann es sinnvoller sein, auf Meisen-Nistkästen und natürliche Gegenspieler zu setzen.
Leimring oder Wellpappe-Fanggürtel?
Zwei Maßnahmen, zwei Schädlinge — bitte nicht verwechseln.
Am Obstbaum kommen zwei ringförmige Maßnahmen zum Einsatz, die oft verwechselt werden — sie wirken aber gegen unterschiedliche Schädlinge und zu unterschiedlichen Zeiten:
- Leimring gegen den Frostspanner: ein klebriger Ring, angebracht ab Ende September/Oktober. Er fängt die flügellosen Weibchen beim Aufstieg und verhindert die Eiablage.
- Wellpappe-Fanggürtel gegen den Apfelwickler: ein Streifen Wellpappe, angebracht ab Ende Juni. Die ausgereiften Apfelwickler-Larven kriechen zum Verpuppen in die Wellen der Pappe und werden mit dem Gürtel entfernt.
Merken Sie sich die Unterschiede: Leim und Herbst gegen den Frostspanner, Wellpappe und Sommer gegen den Apfelwickler. Der Leimring hilft nicht gegen die Maden im Apfel, und der Fanggürtel hilft nicht gegen den Frostspanner. Mehr zum Apfelwickler steht im gleichnamigen Porträt.
Häufige Fragen
Wann muss ich Leimringe anbringen?
Ab Ende September bis Anfang Oktober, denn dann beginnen die flügellosen Frostspanner-Weibchen, die Stämme hinaufzuklettern. Belassen Sie den Ring etwa bis Mitte April und erneuern Sie ihn, wenn die Klebkraft nachlässt. Im Sommer ist ein Leimring wirkungslos.
Warum funktioniert der Leimring gegen den Frostspanner?
Weil die Frostspanner-Weibchen flugunfähig sind. Sie müssen den Stamm hinaufklettern, um ihre Eier in der Krone abzulegen — und bleiben dabei am Leimring hängen. So verhindern Sie die Eiablage und damit die gefräßigen Raupen im Frühjahr.
Muss der Stützpfahl auch einen Leimring bekommen?
Ja, unbedingt. Ohne eigenen Ring klettern die Weibchen einfach den Stützpfahl hinauf und über die Anbindung in die Krone. Stamm und Pfahl brauchen deshalb jeweils einen lückenlosen Leimring.
Sind Leimringe gefährlich für Vögel?
An offen liegendem Leim können sich Vögel und Nützlinge verfangen — der NABU dokumentiert solche Fälle. Schützen Sie den Ring deshalb mit einer Drahtmanschette in einigen Zentimetern Abstand, lassen Sie keine großen offenen Klebeflächen frei und kontrollieren Sie die Ringe regelmäßig.
Was ist der Unterschied zum Wellpappe-Fanggürtel?
Der Leimring wirkt ab Herbst gegen die flügellosen Frostspanner-Weibchen. Der Wellpappe-Fanggürtel wird ab Ende Juni gegen die Apfelwickler-Larven angebracht, die zum Verpuppen in die Pappe kriechen. Beide gehören an den Stamm, bekämpfen aber verschiedene Schädlinge.
Wie verhindere ich, dass die Weibchen unter dem Ring durchkriechen?
Indem Sie den Ring lückenlos und eng am Stamm anlegen und Spalten bei rissiger Borke unter dem Ring mit Papier oder Watte ausstopfen. Achten Sie auf einen glatten, faltenfreien Sitz, damit keine Unterwanderung möglich ist.