Behandlung
Leimringe anbringen — Timing und richtige Montage

Warum ein Leimring gegen den Frostspanner wirkt
Die Weibchen sind flügellos und müssen den Stamm hinaufklettern.
Der Leimring nutzt eine biologische Besonderheit des Frostspanners: Die Weibchen des Kleinen Frostspanners haben nur Flügelstummel und können nicht fliegen. Um ihre Eier in der Baumkrone abzulegen, müssen sie zu Fuß den Stamm hinaufklettern.
Genau auf diesem Weg stoppt sie ein klebriger Ring. Die Weibchen bleiben am Leim hängen, bevor sie Krone und Knospen erreichen. So verhindern Sie die Eiablage und damit die Spannerraupen, die im folgenden Frühjahr an Knospen, Blättern und jungen Früchten fressen würden.
Der Leimring ist also eine vorbeugende Maßnahme im Herbst, lange bevor im Frühjahr eine Raupe sichtbar wird. Gegen bereits fressende Raupen hilft er nicht mehr; dann sind Meisen und andere Vögel die wichtigsten Gegenspieler.
Das richtige Timing
Ende September/Anfang Oktober anbringen, Ende Februar entfernen.
Beim Leimring entscheidet der Zeitpunkt über den Erfolg:
- Anbringen ab Ende September bis Anfang Oktober: Die Weibchen schlüpfen aus den Puppen im Boden und beginnen mit den ersten kühlen Nächten ihren Aufstieg; der Hauptaufstieg liegt im Oktober und November. Der Ring muss hängen, bevor sie loslaufen.
- Über den Winter belassen: Bei milder Witterung zieht sich die Flugzeit bis in den Dezember, einzelne Tiere steigen noch im Januar auf. Kontrollieren Sie den Ring regelmäßig und erneuern Sie ihn, wenn Laub, Staub oder Nässe die Klebkraft aufgezehrt haben.
- Ende Februar entfernen: Ist die Flugzeit sicher vorbei, nehmen Sie den Ring ab, spätestens vor dem Austrieb. Sonst fängt er ab dem Frühjahr vor allem Nützlinge wie Laufkäfer, Ohrwürmer und Spinnen, und unter dem Ring staut sich Feuchtigkeit an der Rinde. Entsorgen Sie ihn mitsamt den gefangenen Weibchen und Eiern über den Restmüll.
Im Sommer ist ein Leimring gegen den Frostspanner wirkungslos, weil dann keine Weibchen aufsteigen; er fängt höchstens Nützlinge. Notieren Sie sich das Anbringen deshalb fest für Ende September und das Abnehmen für Ende Februar.

Richtig anbringen: lückenlos und auch am Pfahl
Ein Leimring wirkt nur, wenn die Weibchen keinen Weg vorbei finden. Auf die Montage kommt es deshalb an:
- Die richtige Höhe wählen: etwa 60 bis 80 Zentimeter über dem Boden, unterhalb des Kronenansatzes und oberhalb von Gras oder Unterpflanzung, über die die Weibchen sonst auf den Ring gelangen könnten.
- Rinde vorbereiten: Bürsten Sie lose Borke, Moos und Flechten an der Stelle mit einer groben Bürste ab, damit der Ring plan aufliegt. An alten Bäumen mit tief zerklüfteter Rinde hilft eine untergelegte Lage Papier oder Wellpappe.
- Eng und lückenlos anlegen: Fertige Leimringe werden oben und unten mit Bindedraht oder Schnur fixiert, die Klebefläche zeigt nach außen. Der Ring darf keine Falten werfen, durch die ein Schlupfweg entsteht.
- Spalten schließen: Bei rissiger Borke entstehen Lücken zwischen Stamm und Ring, durch die die Weibchen hindurchkriechen. Stopfen Sie solche Spalten mit etwas Papier oder Watte aus.
- Den Stützpfahl beringen: Ohne eigenen Ring klettern die Weibchen den Pfahl hinauf und über die Anbindung in die Krone. Der Pfahl braucht deshalb genauso einen Leimring wie der Stamm. Kappen Sie außerdem Zweige, die bis zum Boden oder zum Nachbarbaum reichen, weil sie ebenfalls eine Brücke bilden.
Statt fertiger Ringe können Sie Raupenleim aus der Tube auf einen um den Stamm gelegten Streifen festes Papier oder Folie streichen, aber nie direkt auf die Rinde: Dort ist der Leim schwer zu entfernen und kann die Rinde schädigen. Sind viele Weibchen gefangen, hilft eine frische Leimschicht, denn über die verklebten Tiere hinweg kommen Nachzügler sonst trocken hinüber.
Ein oft übersehener Punkt: Weibchen, die am Ring nicht weiterkommen, legen ihre Eier mitunter direkt unterhalb des Rings in Rindenritzen ab. Kontrollieren Sie diesen Bereich beim Abnehmen im Spätwinter und bürsten Sie ihn gründlich ab, damit die Raupen im Frühjahr nicht doch von dort in die Krone wandern.
Die häufigsten Fehler beim Anbringen:
- zu spät angebracht: Wer bis Ende Oktober wartet, verpasst die ersten aufsteigenden Weibchen
- zu früh im Spätsommer angebracht: Der Ring verklebt bis zum Aufstieg mit Laub und Staub und fängt in dieser Zeit nur Nützlinge
- Stützpfahl vergessen oder Spalten unter dem Ring offen gelassen
- Ring bis in den Sommer hängen gelassen
- gelben statt grünen Ring gewählt oder offenen Leim ohne Manschette

Tierschutz: kein offener Leim für Vögel
Leimringe können zur Falle für Vögel und Nützlinge werden.
Leimringe haben eine ernste Kehrseite: An der offenen Klebefläche verfangen sich auch Vögel, nützliche Insekten und andere Kleintiere. Der NABU dokumentiert Fälle, in denen an einem einzigen Ring mehrere Meisen festklebten.
Wer den Leimring einsetzt, sollte ihn deshalb tierschutzgerecht montieren:
- Grüne statt gelbe Ringe wählen: Gelb lockt viele Insekten an und damit zusätzlich Nützlinge auf den Leim. Für die zu Fuß aufsteigenden Frostspanner-Weibchen spielt die Farbe keine Rolle.
- Drahtmanschette verwenden: Umschließen Sie den Leimring in einigen Zentimetern Abstand mit einer Manschette aus Draht oder Gitter. So gelangt das Gefieder eines Vogels nicht an den Leim, die kleinen Frostspanner-Weibchen kriechen aber hindurch.
- Keine größeren offenen Klebeflächen frei zugänglich lassen.
- Regelmäßig kontrollieren: Ein verfangenes Tier braucht schnelle Hilfe.
Wägen Sie außerdem ab, ob der Leimring an jedem Baum nötig ist. Bei geringem Befall und vielen Vögeln im Garten kann es sinnvoller sein, auf Meisen-Nistkästen und natürliche Gegenspieler zu setzen.
Leimring oder Wellpappe-Fanggürtel?
Zwei Maßnahmen, zwei Schädlinge — bitte nicht verwechseln.
Am Obstbaum kommen zwei ringförmige Maßnahmen zum Einsatz, die oft verwechselt werden. Sie wirken gegen unterschiedliche Schädlinge und zu unterschiedlichen Zeiten:
- Leimring gegen den Frostspanner: ein klebriger Ring, angebracht ab Ende September/Oktober. Er fängt die flügellosen Weibchen beim Aufstieg und verhindert die Eiablage.
- Wellpappe-Fanggürtel gegen den Apfelwickler: ein Streifen Wellpappe, angebracht ab Mitte bis Ende Juni. Die ausgereiften Apfelwickler-Larven kriechen zum Verpuppen und Überwintern in die Wellen und werden mit dem Gürtel entfernt.
Als Merkhilfe: Leim und Herbst gegen den Frostspanner, Wellpappe und Sommer gegen den Apfelwickler. Der Leimring hilft nicht gegen Maden im Apfel, weil die Apfelwickler-Falter fliegen und ihre Eier direkt an die Früchte legen. Umgekehrt hilft der Fanggürtel nicht gegen den Frostspanner, weil dessen Weibchen die Pappe einfach überklettern. Mehr zum Apfelwickler steht im gleichnamigen Porträt.
Häufige Fragen
Wann muss ich Leimringe anbringen?
Ab Ende September bis Anfang Oktober, denn dann beginnen die flügellosen Frostspanner-Weibchen, die Stämme hinaufzuklettern. Belassen Sie den Ring über den Winter, erneuern Sie ihn bei nachlassender Klebkraft und nehmen Sie ihn Ende Februar, spätestens vor dem Austrieb, wieder ab. Im Sommer ist ein Leimring wirkungslos.
Warum funktioniert der Leimring gegen den Frostspanner?
Weil die Frostspanner-Weibchen flugunfähig sind. Sie müssen den Stamm hinaufklettern, um ihre Eier in der Krone abzulegen, und bleiben dabei am Leim hängen.
Muss der Stützpfahl auch einen Leimring bekommen?
Ja, unbedingt. Ohne eigenen Ring klettern die Weibchen einfach den Stützpfahl hinauf und über die Anbindung in die Krone. Stamm und Pfahl brauchen deshalb jeweils einen lückenlosen Leimring.
Sind Leimringe gefährlich für Vögel?
An offen liegendem Leim können sich Vögel und Nützlinge verfangen — der NABU dokumentiert solche Fälle. Schützen Sie den Ring deshalb mit einer Drahtmanschette in einigen Zentimetern Abstand, lassen Sie keine großen offenen Klebeflächen frei und kontrollieren Sie die Ringe regelmäßig.
Was ist der Unterschied zum Wellpappe-Fanggürtel?
Der Leimring wirkt ab Herbst gegen die flügellosen Frostspanner-Weibchen. Der Wellpappe-Fanggürtel wird ab Mitte bis Ende Juni gegen die Apfelwickler-Larven angebracht, die zum Verpuppen in die Pappe kriechen. Beide gehören an den Stamm, bekämpfen aber verschiedene Schädlinge.
Wie verhindere ich, dass die Weibchen unter dem Ring durchkriechen?
Bürsten Sie die Rinde vorher ab, legen Sie den Ring eng, lückenlos und faltenfrei an und stopfen Sie Spalten in rissiger Borke unter dem Ring mit Papier oder Watte aus.
In welcher Höhe bringe ich den Leimring an?
Etwa 60 bis 80 Zentimeter über dem Boden — unterhalb des Kronenansatzes und oberhalb von Gras oder Unterpflanzung, über die die Weibchen sonst auf den Ring gelangen könnten. Der Stützpfahl bekommt seinen Ring in derselben Höhe.
Grüner oder gelber Leimring — was ist besser?
Grün. Gelbe Flächen wirken auf viele Insekten anziehend und fangen dadurch unnötig Nützlinge. Für die zu Fuß aufsteigenden Frostspanner-Weibchen ist die Farbe egal, deshalb schont der grüne Ring die übrige Tierwelt ohne Wirkungsverlust.
Quellen & Prüfung
Angaben zu Lebensweise und Flugzeit des Kleinen Frostspanners nach Ökolandbau.de (Bundesinformationszentrum Landwirtschaft) und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, zur Gefahr für Vögel nach dem NABU Leipzig (Leimfallen — Gefahr für Vögel). Abgerufen Juni 2026.
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