Behandlung
Leimringe anbringen — Timing und richtige Montage

Warum ein Leimring gegen den Frostspanner wirkt
Die Weibchen sind flügellos und müssen den Stamm hinaufklettern.
Der Leimring nutzt eine biologische Besonderheit des Frostspanners aus: Die Weibchen des Kleinen Frostspanners sind flugunfähig. Sie haben nur Flügelstummel und können nicht fliegen. Um ihre Eier in der Baumkrone abzulegen, müssen sie deshalb zu Fuß den Stamm hinaufklettern.
Genau auf diesem Weg stoppt sie ein klebriger Ring um den Stamm. Die aufsteigenden Weibchen bleiben am Leim hängen, bevor sie die Krone und damit die Knospen erreichen. So verhindern Sie die Eiablage — und damit die gefräßigen Spannerraupen, die im folgenden Frühjahr an Knospen, Blättern und jungen Früchten fressen würden. (Quelle: Ökolandbau.de, Kleiner Frostspanner, abgerufen Juni 2026.)
Der Leimring ist damit eine vorbeugende Maßnahme, die im Herbst ansetzt — lange bevor im Frühjahr überhaupt eine Raupe sichtbar wird. Gegen die bereits fressenden Raupen im Frühjahr hilft der Ring nicht mehr; dann sind Meisen und andere Vögel die wichtigsten Gegenspieler.
Das richtige Timing
Ende September/Anfang Oktober anbringen, Ende Februar bis März entfernen.
Beim Leimring entscheidet der Zeitpunkt über alles:
- Anbringen ab Ende September bis Anfang Oktober: Die Weibchen schlüpfen aus den Puppen im Boden und beginnen mit den ersten kühlen Nächten ihren Aufstieg; der Hauptaufstieg liegt im Oktober und November. Der Ring muss hängen, bevor sie loslaufen.
- Über den Winter belassen: Die Flugzeit zieht sich bei milder Witterung bis in den Dezember, einzelne Tiere steigen noch im Januar auf. Kontrollieren Sie den Ring regelmäßig und erneuern Sie ihn, wenn Laub, Staub oder Nässe die Klebkraft aufgezehrt haben. (Quelle: Ökolandbau.de und Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Kleiner Frostspanner, abgerufen Juni 2026.)
- Ende Februar bis März entfernen: Sobald die Flugzeit sicher vorbei ist, nehmen Sie den Ring ab, spätestens vor dem Austrieb. Ab dem Frühjahr fängt er sonst vor allem Nützlinge wie Laufkäfer, Ohrwürmer und Spinnen, und unter dem Ring staut sich Feuchtigkeit an der Rinde. Entsorgen Sie den Ring mitsamt den gefangenen Weibchen und Eiern über den Restmüll.
Entscheidend ist: Ein Leimring im Sommer ist gegen den Frostspanner völlig wirkungslos, weil dann keine Weibchen aufsteigen. Wer den Ring zur falschen Jahreszeit anbringt, fängt höchstens Nützlinge. Notieren Sie sich die Maßnahme deshalb fest für Ende September — und das Abnehmen für Ende Februar.

Richtig anbringen: lückenlos und auch am Pfahl
Ein Leimring wirkt nur, wenn die Weibchen keinen Weg vorbei finden. Auf die Montage kommt es deshalb an:
- Die richtige Höhe wählen: etwa 60 bis 80 Zentimeter über dem Boden, in jedem Fall unterhalb des Kronenansatzes und oberhalb von Grasbewuchs oder Unterpflanzung, über die die Weibchen sonst auf den Ring gelangen könnten.
- Rinde vorbereiten: Bürsten Sie lose Borke, Moos und Flechten an der Stelle mit einer groben Bürste ab, damit der Ring plan aufliegt. An alten Bäumen mit tief zerklüfteter Rinde hilft es, die Auflagefläche mit einer Lage Papier oder einem Stück Wellpappe zu unterlegen.
- Den Ring eng und lückenlos um den Stamm legen, sodass er rundum dicht anliegt. Fertige Leimringe werden mit Bindedraht oder Schnur oben und unten fixiert; die Klebefläche zeigt nach außen.
- Spalten zwischen Stamm und Ring schließen: Bei rissiger Borke entstehen Lücken, durch die die Weibchen hindurchkriechen. Stopfen Sie solche Spalten unter dem Ring mit etwas Papier oder Watte aus, damit keine Unterwanderung möglich ist.
- Unbedingt auch den Stützpfahl beringen: Ein angebundener Baum hat in der Regel einen Pfahl direkt daneben. Ohne eigenen Ring klettern die Weibchen einfach den Pfahl hinauf und über die Anbindung in die Krone. Der Pfahl braucht deshalb genauso einen Leimring wie der Stamm — und Zweige, die bis zum Boden oder zum Nachbarbaum reichen, sollten Sie kappen, weil sie ebenfalls eine Brücke bilden.
- Auf glatten Sitz achten: Der Ring darf keine Falten werfen, durch die ein Schlupfweg entsteht.
Alternativ zu fertigen Ringen können Sie Raupenleim aus der Tube auf einen um den Stamm gelegten Streifen festes Papier oder Folie streichen — niemals direkt auf die Rinde, weil der Leim dort schwer zu entfernen ist und die Rinde schädigen kann. Kontrollieren Sie die Ringe über den Herbst und Winter und erneuern Sie sie, wenn Laub, Staub oder Frost die Klebefläche unwirksam gemacht haben. Sind viele Weibchen gefangen, hilft eine frische Leimschicht, denn über die verklebten Tiere hinweg kommen Nachzügler sonst trocken hinüber.
Ein oft übersehener Punkt: Weibchen, die am Ring nicht weiterkommen, legen ihre Eier mitunter direkt unterhalb des Rings in Rindenritzen ab. Kontrollieren Sie diesen Bereich beim Abnehmen im Spätwinter und bürsten Sie ihn gründlich ab, damit die Raupen im Frühjahr nicht doch von dort in die Krone wandern.
Die häufigsten Fehler beim Anbringen von Leimringen:
- zu spät angebracht: Wer bis Ende Oktober wartet, verpasst die ersten aufsteigenden Weibchen
- zu früh im Spätsommer angebracht: Der Ring verklebt bis zum Aufstieg mit Laub und Staub und fängt in dieser Zeit nur Nützlinge
- den Stützpfahl vergessen: Der Pfahl ist die bequemste Umleitung in die Krone
- Spalten unter dem Ring nicht geschlossen: Auf rissiger Borke kriechen die Weibchen unter dem Ring hindurch
- Ring bis in den Sommer hängen gelassen: Ab dem Frühjahr fängt er nur noch Laufkäfer, Ohrwürmer und andere Nützlinge
- gelben statt grünen Ring gewählt oder offenen Leim ohne Manschette: unnötige Gefahr für Insekten und Vögel

Tierschutz: kein offener Leim für Vögel
Leimringe können zur Falle für Vögel und Nützlinge werden.
Leimringe haben eine ernste Kehrseite: An der offenen Klebefläche verfangen sich nicht nur Frostspanner-Weibchen, sondern auch Vögel, nützliche Insekten und andere Kleintiere. Der NABU dokumentiert Fälle, in denen sich an einem einzigen Ring mehrere Meisen verklebt haben. (Quelle: NABU Leipzig, Leimfallen — Gefahr für Vögel, abgerufen Juni 2026.)
Wer den Leimring dennoch einsetzt, sollte ihn tierschutzgerecht montieren:
- Grüne statt gelbe Ringe wählen: Gelb wirkt auf viele Insekten anziehend und lockt zusätzlich Nützlinge auf den Leim. Grüne Ringe fallen am Stamm weniger auf; für die zu Fuß aufsteigenden Frostspanner-Weibchen spielt die Farbe keine Rolle.
- Drahtmanschette verwenden: Umschließen Sie den Leimring mit einer Manschette aus Draht oder Gitter in einigen Zentimetern Abstand, sodass das Gefieder eines Vogels nicht an den Leim gelangt, die kleinen Frostspanner-Weibchen aber hindurchkriechen.
- Keine größeren offenen Klebeflächen frei zugänglich lassen.
- Regelmäßig kontrollieren: Ein verfangenes Tier braucht schnelle Hilfe — prüfen Sie die Ringe daher engmaschig.
Wägen Sie zudem ab, ob der Leimring an jedem Baum nötig ist. An Bäumen mit geringem Befall und vielen Vögeln im Garten kann es sinnvoller sein, auf Meisen-Nistkästen und natürliche Gegenspieler zu setzen.
Leimring oder Wellpappe-Fanggürtel?
Zwei Maßnahmen, zwei Schädlinge — bitte nicht verwechseln.
Am Obstbaum kommen zwei ringförmige Maßnahmen zum Einsatz, die oft verwechselt werden — sie wirken aber gegen unterschiedliche Schädlinge und zu unterschiedlichen Zeiten:
- Leimring gegen den Frostspanner: ein klebriger Ring, angebracht ab Ende September/Oktober. Er fängt die flügellosen Weibchen beim Aufstieg und verhindert die Eiablage.
- Wellpappe-Fanggürtel gegen den Apfelwickler: ein Streifen Wellpappe, angebracht ab Mitte bis Ende Juni. Die ausgereiften Apfelwickler-Larven kriechen zum Verpuppen und Überwintern in die Wellen der Pappe und werden mit dem Gürtel entfernt.
Merken Sie sich die Unterschiede: Leim und Herbst gegen den Frostspanner, Wellpappe und Sommer gegen den Apfelwickler. Der Leimring hilft nicht gegen die Maden im Apfel, weil die Apfelwickler-Falter fliegen und ihre Eier direkt an die Früchte legen — am Stamm kommt kein Falter vorbei. Umgekehrt hilft der Fanggürtel nicht gegen den Frostspanner, weil dessen Weibchen die Pappe einfach überklettern. Mehr zum Apfelwickler steht im gleichnamigen Porträt.
Häufige Fragen
Wann muss ich Leimringe anbringen?
Ab Ende September bis Anfang Oktober, denn dann beginnen die flügellosen Frostspanner-Weibchen, die Stämme hinaufzuklettern. Belassen Sie den Ring über den Winter, erneuern Sie ihn bei nachlassender Klebkraft und nehmen Sie ihn Ende Februar bis März wieder ab. Im Sommer ist ein Leimring wirkungslos.
Warum funktioniert der Leimring gegen den Frostspanner?
Weil die Frostspanner-Weibchen flugunfähig sind. Sie müssen den Stamm hinaufklettern, um ihre Eier in der Krone abzulegen — und bleiben dabei am Leimring hängen. So verhindern Sie die Eiablage und damit die gefräßigen Raupen im Frühjahr.
Muss der Stützpfahl auch einen Leimring bekommen?
Ja, unbedingt. Ohne eigenen Ring klettern die Weibchen einfach den Stützpfahl hinauf und über die Anbindung in die Krone. Stamm und Pfahl brauchen deshalb jeweils einen lückenlosen Leimring.
Sind Leimringe gefährlich für Vögel?
An offen liegendem Leim können sich Vögel und Nützlinge verfangen — der NABU dokumentiert solche Fälle. Schützen Sie den Ring deshalb mit einer Drahtmanschette in einigen Zentimetern Abstand, lassen Sie keine großen offenen Klebeflächen frei und kontrollieren Sie die Ringe regelmäßig.
Was ist der Unterschied zum Wellpappe-Fanggürtel?
Der Leimring wirkt ab Herbst gegen die flügellosen Frostspanner-Weibchen. Der Wellpappe-Fanggürtel wird ab Mitte bis Ende Juni gegen die Apfelwickler-Larven angebracht, die zum Verpuppen in die Pappe kriechen. Beide gehören an den Stamm, bekämpfen aber verschiedene Schädlinge.
Wie verhindere ich, dass die Weibchen unter dem Ring durchkriechen?
Indem Sie die Rinde vorher abbürsten, den Ring lückenlos und eng am Stamm anlegen und Spalten bei rissiger Borke unter dem Ring mit Papier oder Watte ausstopfen. Achten Sie auf einen glatten, faltenfreien Sitz, damit keine Unterwanderung möglich ist.
In welcher Höhe bringe ich den Leimring an?
Etwa 60 bis 80 Zentimeter über dem Boden — unterhalb des Kronenansatzes und oberhalb von Gras oder Unterpflanzung, über die die Weibchen sonst auf den Ring gelangen könnten. Der Stützpfahl bekommt seinen Ring in derselben Höhe.
Grüner oder gelber Leimring — was ist besser?
Grün. Gelbe Flächen wirken auf viele Insekten anziehend und fangen dadurch unnötig Nützlinge. Für die zu Fuß aufsteigenden Frostspanner-Weibchen ist die Farbe egal, deshalb schont der grüne Ring die übrige Tierwelt ohne Wirkungsverlust.
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