Hautflügler

Wespen erkennen, verstehen und richtig behandeln

Wespen haben einen schlechten Ruf, der den meisten Arten gar nicht gerecht wird. Von den heimischen sozialen Faltenwespen werden nur zwei Arten dem Menschen zeitweise lästig: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Alle übrigen leben unauffällig, jagen Schadinsekten und meiden unser Essen. Wichtig ist außerdem: Alle Wespen stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes, manche Arten und die Hornisse sogar besonders. Ein bewohntes Nest entfernen Sie deshalb nie selbst — dieser Ratgeber erklärt, warum, und wie Sie stattdessen vorgehen.
Aktualisiert am 10. Juni 2026

Wespenarten erkennen — die meisten sind harmlos

In Deutschland gibt es einige hundert Wespenarten, doch nur ein winziger Teil davon hat überhaupt mit dem Menschen zu tun. Zu den staatenbildenden, sozialen Faltenwespen zählen elf Arten — und von diesen werden uns nur zwei zeitweise lästig: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Beide gehören zu den Kurzkopfwespen und fliegen als Einzige auf süße Speisen, Fleisch und Wurst.

Die übrigen neun sozialen Arten, darunter die verschiedenen Langkopfwespen und Feldwespen, meiden unser Essen weitgehend. Sie jagen Fliegen, Mücken, Blattläuse und Raupen, um ihre Larven zu versorgen, und sind im Garten wertvolle natürliche Gegenspieler. Die allermeisten der hunderte Wespenarten sind zudem solitär lebende Klein- und Faltenwespen, die kaum jemand bemerkt.

Wer also eine Wespe sieht, hat es mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht mit einem der beiden lästigen Arten zu tun — und selbst diese suchen meist nur nach Nahrung, statt anzugreifen.

Schutzstatus: Wespen stehen unter Naturschutz

Auch lästige Wespen darf man nicht einfach töten.

Wespen sind ein Teil der heimischen Natur und durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Nach §39 BNatSchG ist es verboten, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Das gilt auch für die Deutsche und die Gemeine Wespe.

Manche Wildwespenarten und vor allem die Europäische Hornisse genießen darüber hinaus den besonderen Schutz nach §44 BNatSchG. Für sie ist es zusätzlich verboten, ihre Nester, Brut- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Eine Umsiedlung oder Entfernung ist hier nur mit einer Ausnahmegenehmigung der unteren Naturschutzbehörde zulässig.

Verstöße können teuer werden: Je nach Bundesland und Schwere drohen empfindliche Bußgelder, die bis in den fünfstelligen Bereich reichen können. Bevor Sie überhaupt an ein Nest denken, sollten Sie deshalb zuerst die Art und den Schutzstatus klären.

Verhalten: Wespen sind nicht von Natur aus aggressiv

Wespen wirken im Spätsommer oft aufdringlich, sind dabei aber selten wirklich aggressiv. Abseits ihres Nestes suchen sie schlicht nach Nahrung — das macht sie für uns lästig, nicht gefährlich. Gestochen wird vor allem dann, wenn sich ein Tier bedroht oder eingeklemmt fühlt.

Das erklärt auch, warum hektische Reaktionen meist das Gegenteil bewirken:

  • Heftige Bewegungen und das Schlagen nach Wespen signalisieren Bedrohung und provozieren Stiche.
  • Das Wegpusten ist besonders ungünstig, weil das im Atem enthaltene Kohlendioxid im Wespennest als Alarmsignal gilt.
  • In Nestnähe kann beim Stich ein Alarmpheromon freigesetzt werden, das weitere Wespen anlockt.

Viel besser ist es, ruhig zu bleiben, die Wespe behutsam wegzuschieben und sich nach einem Stich rasch von der Stelle zu entfernen. Wer Abstand zum Nest hält und die Flugbahn nicht versperrt, wird in der Regel in Ruhe gelassen.

Lebenszyklus: Ein Wespenvolk lebt nur eine Saison

Wespenvölker sind einjährig — das ist der entscheidende Punkt für einen gelassenen Umgang. Im Frühjahr, etwa ab April, erwachen einzelne überwinterte Jungköniginnen aus der Winterruhe und gründen jede für sich einen neuen Staat. Aus den ersten Larven zieht die Königin einige Arbeiterinnen heran, die danach den weiteren Nestbau und die Brutpflege übernehmen.

Im Hochsommer erreicht das Volk seine größte Stärke; je nach Art zählt es einige Tausend Tiere. Im Spätsommer und Herbst sterben die Völker dann nach und nach ab — auch die alte Gründungskönigin stirbt. Nur die neuen Jungköniginnen überwintern an geschützten Stellen und gründen im nächsten Frühjahr eigene Nester.

Ein verlassenes Nest wird nicht wieder besiedelt. Wer ein Nest an einer einigermaßen erträglichen Stelle bis in den Herbst toleriert, ist das Problem oft ganz ohne Eingriff los — und hat nebenbei einen Sommer lang von der Schädlingsjagd der Wespen profitiert.

Welchen Nutzen Wespen im Garten haben

Wespen sind im Garten weit mehr als eine Sommerplage. Als Jäger fangen sie große Mengen anderer Insekten, um ihre Larven mit Eiweiß zu versorgen:

  • Sie erbeuten Fliegen, Mücken, Blattläuse, Raupen und weitere Insekten und halten so Schädlinge in Schach.
  • Sie verwerten tote Insekten und Fallobst und übernehmen damit eine Aufräumfunktion.
  • Sie bestäuben — gemeinsam mit vielen anderen Insekten — Blüten.
  • Sie dienen selbst zahlreichen Tieren, etwa Vögeln, als Nahrung.

Damit sind Wespen ein nützlicher Baustein im Gartenökosystem. Wer Schädlinge ohnehin mit natürlichen Gegenspielern in Schach halten möchte, findet im Ratgeber zu Nützlingen weitere Helfer, die sich gut ergänzen.

Bewohntes Nest niemals selbst entfernen

So verständlich der Wunsch ist, ein störendes Nest schnell loszuwerden — die Selbstentfernung eines bewohnten Nestes ist die schlechteste aller Möglichkeiten. Sie ist gefährlich, weil sich ein gestörtes Volk geschlossen verteidigt, und sie ist je nach Art und Lage rechtswidrig.

Gehen Sie stattdessen so vor:

  • Prüfen Sie zuerst, ob das Nest an seiner Stelle bis zum Herbst geduldet werden kann — oft ist das die einfachste Lösung.
  • Ist eine Entfernung wirklich nötig, wenden Sie sich an die untere Naturschutzbehörde, einen Wespen- und Hornissenberater (häufig über den NABU vermittelt) oder einen ökologisch arbeitenden Fachbetrieb.
  • Schließen Sie ein Einflugloch niemals einfach zu: Die Tiere suchen sich dann einen anderen Weg, häufig ins Wohninnere.

Wie Sie bei einem konkreten Fund Schritt für Schritt vorgehen und wann ein vernünftiger Grund vorliegt, beschreibt der Ratgeber zum Wespennest im Garten.

Häufige Fragen

Welche Wespen werden überhaupt lästig?

Nur die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe fliegen auf süße Speisen, Fleisch und Wurst. Die übrigen heimischen sozialen Wespenarten meiden unser Essen und sind im Garten als Insektenjäger nützlich.

Stehen Wespen unter Naturschutz?

Ja. Alle Wespen sind nach §39 Bundesnaturschutzgesetz geschützt und dürfen nur mit vernünftigem Grund getötet werden. Manche Wildarten und die Hornisse sind nach §44 zusätzlich besonders geschützt.

Sind Wespen aggressiv?

Abseits des Nestes suchen Wespen nur nach Nahrung und sind nicht von sich aus aggressiv. Gestochen wird vor allem, wenn sich ein Tier bedroht fühlt — etwa durch Schlagen, Wegpusten oder Erschütterungen am Nest.

Warum sind Wespen im Spätsommer so aufdringlich?

Im Spätsommer haben die Arbeiterinnen kaum noch Brut zu versorgen und suchen verstärkt nach zucker- und eiweißhaltiger Nahrung. Genau das finden sie auf unseren Tellern und Gläsern.

Verschwinden Wespen im Herbst von selbst?

Ja. Wespenvölker sind einjährig: Im Spätsommer und Herbst sterben die Völker ab, nur die Jungköniginnen überwintern. Das Nest wird im nächsten Jahr nicht wieder besiedelt.

Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?

Ein bewohntes Nest sollten Sie nie selbst entfernen — das ist gefährlich und je nach Art rechtswidrig. Wenden Sie sich an die untere Naturschutzbehörde, einen Wespenberater oder einen Fachbetrieb.

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