Zikaden
Zikaden im Garten erkennen und einordnen

Zikaden erkennen
Zikaden im Garten sind saugende Insekten mit oft keil- oder zylinderförmigem Körper, die bei Berührung auffällig wegspringen — manche werden deshalb mit kleinen Heuschrecken oder Blattläusen verwechselt. Blattläuse sitzen dagegen träge in Kolonien, Weiße Fliegen fliegen bei Störung als weiße Wölkchen auf, und Blattflöhe springen zwar ebenfalls, sind aber deutlich kleiner und gedrungener. Ein zuverlässiger Hinweis auf Zikaden sind die weißen, leeren Häutungsreste der Larven, die an den Blattunterseiten haften bleiben. Im Garten fallen vor allem zwei Arten auf:
- Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi): etwa acht bis zehn Millimeter lang, leuchtend grün mit zwei roten Längsstreifen auf den Flügeln, Kopf und Unterseite gelblich. Sie stammt aus Nordamerika und wurde nach Europa eingeschleppt; sie sitzt fast ausschließlich an Rhododendron.
- Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius): nur fünf bis sieben Millimeter groß, in der Färbung sehr variabel von hellbraun bis fast schwarz. Bekannt ist sie weniger durch ihr Aussehen als durch die Schaumnester ihrer Larven an Gräsern, Stauden und Kräutern.
Dazu kommen zahlreiche kleine Zwergzikaden, etwa die nur rund drei Millimeter große, gelblich-weiße Rosenzikade an Rosen, und die auffällig rot-schwarze Blutzikade auf Wiesen, die trotz ihres Aussehens völlig harmlos ist.
Das typische Schadbild der meisten Zikaden ist eine feine, helle Sprenkelung oder Aufhellung der Blätter: Beim Saugen entleeren die Tiere einzelne Blattzellen, in die Luft eindringt. Bei vielen Arten bleibt es bei diesem kosmetischen Schaden.
Rhododendronzikade: Überträger, nicht Verursacher
Der Pilz macht die Knospen braun — nicht die Zikade selbst.
Bei der Rhododendronzikade ist eine saubere Unterscheidung wichtig: Die Zikade selbst saugt am Laub und hinterlässt dort nur eine helle Sprenkelung — den eigentlichen Schaden richtet ein Pilz an, den sie vermutlich überträgt.
Die gefürchtete Knospenbräune (Knospensterben) wird durch den Pilz Seifertia azaleae (früher Pycnostysanus azaleae) verursacht. Befallene Blütenknospen färben sich über Winter braun bis grauschwarz, sterben ab und öffnen sich im Frühjahr nicht; später tragen sie kleine schwarze, borstige Auswüchse — die Sporenträger des Pilzes. Die Rhododendronzikade legt von August bis Oktober ihre Eier unter die Schuppen der Blütenknospen und schafft dabei nach gängiger Einschätzung Eintrittspforten für die Pilzsporen. Sie gilt deshalb als wahrscheinlicher Überträger, auch wenn die Knospenbräune vereinzelt auch ohne Zikadenbefall auftritt.
Die Zikade bildet eine Generation pro Jahr: Die Eier überwintern in den Knospen, ab Mai schlüpfen die grünlichen, flügellosen Larven und saugen an den Blattunterseiten, ab Juli erscheinen die erwachsenen Tiere und sind bis in den Oktober an den Sträuchern zu sehen.
Wichtig zur Einordnung: Die Zikade ist nicht die Ursache der braunen Knospen, sondern der Vektor, der den Pilz verbreitet. Wer die Knospenbräune eindämmen will, setzt deshalb an beiden Punkten an — am Pilz und an der Zikade.

Was bei Rhododendron zu tun ist
Gegen die Knospenbräune und ihren Überträger hilft eine Kombination aus Hygiene, Beobachtung und Pflege — am besten entlang des Jahres:
- Herbst bis Frühjahr: befallene, braun verfärbte Knospen ausbrechen und über den Restmüll entsorgen, nicht kompostieren — möglichst, bevor sich im Frühjahr die Sporen verbreiten. Verblühte Blütenstände nach der Blüte vorsichtig ausbrechen.
- Mai bis Juni: Blattunterseiten auf die grünlichen Larven kontrollieren; ein kräftiger Wasserstrahl von unten reduziert sie bei kleinen Sträuchern.
- Juli bis September: Gelbtafeln in die Sträucher hängen — sie zeigen die fliegenden Zikaden an und fangen einen Teil ab, lösen das Problem allein aber nicht.
- Ganzjährig: den Standort verbessern — luftige, nicht zu dichte Pflanzung, saurer, humoser Boden, Mulchschicht und gleichmäßige Feuchte ohne Staunässe. Kräftige, gut versorgte Pflanzen sind weniger anfällig.
Das konsequente Entfernen befallener Knospen ist die wichtigste Einzelmaßnahme, weil es den Pilz an der Vermehrung hindert. Pflanzenschutzmittel sind im Hausgarten meist verzichtbar. Falls Sie dennoch ein Mittel gegen die Larven erwägen, kommt nur ein Produkt infrage, das ausdrücklich für Zierpflanzen und saugende Insekten im Haus- und Kleingarten zugelassen ist — in der Praxis meist Präparate auf Kaliseifen- oder Rapsölbasis, die die weichhäutigen Larven treffen und die Blattunterseiten tropfnass benetzen müssen; der beste Zeitpunkt ist dann Mai bis Juni, wenn die Larven an den Blattunterseiten sitzen. Hausmittel wie Seifen- oder Spülmittellösungen sind keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Ein häufiger Fehler ist, nur die erwachsenen Zikaden im Sommer zu bekämpfen und die braunen Knospen hängen zu lassen — der Pilz bleibt dann im Strauch. Wie kräftige, widerstandsfähige Pflanzen Befall besser wegstecken, beschreibt der Ratgeber „Pflanzen stärken“.

Wiesenschaumzikade und die Kuckucksspucke
Von etwa April bis Juni entdeckt man an Gräsern, Stauden und Kräutern wie Lavendel oder Rosmarin weiße Schaumklümpchen, die wie Spucke aussehen — im Volksmund Kuckucksspucke, Kuckucksspeichel oder Hexenspucke genannt. Darin verbergen sich die Larven der Wiesenschaumzikade.
Die Larven saugen Pflanzensaft und schlagen die ausgeschiedene Flüssigkeit mit Luft aus einer Atemhöhle am Hinterleib zu Schaum; so entsteht das schützende Nest, das überwiegend aus Wasser besteht. Es bewahrt die weichen Larven vor Austrocknung und Fressfeinden. Ab Juni verlassen die fertigen Zikaden den Schaum, im Herbst legen die Weibchen ihre Eier an Pflanzenstängel, wo sie überwintern — eine Generation pro Jahr.
Für den Garten ist die Wiesenschaumzikade nahezu bedeutungslos: Abgesehen von der optischen Beeinträchtigung durch den Schaum ist der Schaden vernachlässigbar. Weder die Larven noch die erwachsenen Tiere richten an gesunden Pflanzen nennenswerten Schaden an; allenfalls an sehr jungen Trieben bleibt eine leichte Stauchung. Wen der Anblick stört, spült den Schaum einfach mit Wasser ab — eine Bekämpfung ist nicht nötig.
Eine Randnotiz für den Erwerbsanbau: In Südeuropa gilt die Wiesenschaumzikade als wichtiger Überträger des Bakteriums Xylella fastidiosa, das dort Olivenhaine schädigt. In Deutschland ist dieser Erreger bislang nicht etabliert, und für den Hausgarten spielt das keine Rolle.
Weitere Zikaden und natürliche Gegenspieler
Neben diesen beiden Arten gibt es viele weitere Zikaden an Rosen, Reben, Obst und Ziergehölzen. Die meisten verursachen lediglich eine helle Sprenkelung der Blätter und brauchen keine Bekämpfung. Am häufigsten fällt die Rosenzikade (Edwardsiana rosae) auf: Sie ist nur rund drei Millimeter groß, gelblich-weiß, sitzt an den Blattunterseiten und hinterlässt auf den Rosenblättern eine dichte weiße Sprenkelung; bei starkem Befall — typisch an heißen, trockenen Standorten wie Südwänden — vergilben Blätter und fallen früh ab. Es gibt zwei Generationen im Jahr, die Eier überwintern in der Rinde der Triebe. Hilfreich sind regelmäßiges Wässern, das Entfernen stark befallener Blätter, ein kräftiger Wasserstrahl von unten und der Rückschnitt im Frühjahr; die Rose selbst nimmt dauerhaft keinen Schaden. Auch an Reben und Obstgehölzen treten ähnliche Zwergzikaden auf. Einige Arten können im Erwerbsanbau als Überträger von Pflanzenkrankheiten eine Rolle spielen — für den Hausgarten ist das selten relevant.
Im naturnahen Garten halten Gegenspieler die Zikaden meist in Schach:
- Vögel, Spinnen, Raubwanzen und Ohrwürmer erbeuten erwachsene Tiere und Larven
- Erz- und Schlupfwespen parasitieren die Eier und Larven mancher Arten
- ein vielfältiger Garten mit Hecken, Stauden und Wildkräutern bietet diesen Helfern Lebensraum
Wer Nützlinge fördert, reduziert den Zikadendruck auf natürliche Weise — wie das gelingt, fasst der Ratgeber „Nützlinge einsetzen“ zusammen. Aktiver Handlungsbedarf besteht im Hausgarten praktisch nur bei der Rhododendronzikade wegen der Knospenbräune.
Häufige Fragen
Sind Zikaden im Garten gefährlich für meine Pflanzen?
Die meisten Zikaden sind harmlos und verursachen nur eine helle Sprenkelung der Blätter. Eine Ausnahme ist die Rhododendronzikade, weil sie den Pilz der Knospenbräune überträgt. Die übrigen Arten brauchen in der Regel keine Bekämpfung.
Verursacht die Rhododendronzikade die braunen Knospen?
Nicht direkt. Die braunen, absterbenden Knospen sind Folge des Pilzes Seifertia azaleae (früher Pycnostysanus azaleae). Die Rhododendronzikade überträgt diesen Pilz vermutlich, indem sie ihre Eier in die Knospen legt — sie ist also der Vektor, nicht die eigentliche Ursache.
Was ist die Kuckucksspucke an Pflanzen?
Die weißen Schaumnester sind die „Kuckucksspucke“ — der Schutzschaum der Larven von Schaumzikaden wie der Wiesenschaumzikade. Er besteht überwiegend aus Wasser und ist für die Pflanze praktisch unschädlich.
Muss ich die Schaumnester der Wiesenschaumzikade entfernen?
Nein, das ist nicht nötig. Der Schaden ist vernachlässigbar. Wen der Anblick stört, kann den Schaum einfach mit Wasser abspülen — eine Bekämpfung der harmlosen Schaumzikade ist nicht erforderlich.
Was hilft gegen die Knospenbräune am Rhododendron?
Die wichtigste Maßnahme ist, befallene braune Knospen früh auszubrechen und über den Restmüll zu entsorgen, damit sich der Pilz nicht weiter verbreitet. Zusätzlich lohnt es, die Rhododendronzikade im Sommer im Blick zu behalten und für einen luftigen Standort zu sorgen.
Wie erkenne ich die Rhododendronzikade?
An ihrer auffälligen Färbung: Sie ist etwa acht bis zehn Millimeter lang, leuchtend grün und trägt zwei rote Längsstreifen auf den Flügeln. Bei Störung springt sie weg. Von Juli bis Oktober sitzt sie häufig auf den Blättern des Rhododendrons.
Wann bekämpft man die Rhododendronzikade am besten?
Gegen die Larven von Mai bis Juni, wenn sie an den Blattunterseiten sitzen — im Hausgarten meist mechanisch mit einem Wasserstrahl. Gelbtafeln fangen von Juli bis September einen Teil der erwachsenen Tiere. Entscheidend bleibt, die braunen Knospen konsequent zu entfernen.
Welche Zikade hinterlässt weiße Sprenkel auf Rosenblättern?
Meist die Rosenzikade (Edwardsiana rosae), eine rund drei Millimeter kleine, gelblich-weiße Zwergzikade an den Blattunterseiten. Die Sprenkelung ist kosmetisch; bei starkem Befall helfen regelmäßiges Wässern, ein Wasserstrahl von unten und das Entfernen stark befallener Blätter.
Hinweis zur Erstellung
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