Wanzen
Stinkwanzen erkennen, einordnen und richtig handhaben
Stinkwanzen erkennen — die wichtigen Arten
Im Garten begegnen einem vor allem zwei schildförmige Wanzen, die im Alltag als Stinkwanzen bezeichnet werden:
- Grüne Stinkwanze (Palomena prasina): heimisch, etwa zwölf bis vierzehn Millimeter lang, im Frühjahr und Sommer einfarbig grün. Im Herbst wechselt sie temperaturgesteuert zu braun oder rotbraun und überwintert in dieser Tarnfarbe.
- Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys): invasiv, aus Asien eingeschleppt, bis etwa siebzehn Millimeter lang, marmoriert braun gefärbt mit hellen Flecken am Hinterrand des Halsschilds und abwechselnd hell-dunkel gebänderten Fühlern.
Den Namen verdanken alle Stinkwanzen ihren Wehrdrüsen: Bei Gefahr oder beim Zerdrücken setzen sie ein streng riechendes Sekret frei. Das ist unangenehm, aber harmlos. Die genaue Unterscheidung der beiden Arten beschreibt die Vergleichsseite „Grüne Stinkwanze vs. Marmorierte Baumwanze“ im Detail.
Heimisch und harmlos oder invasiv und schädlich?
Nicht jede Wanze im Garten ist ein Problem.
Die heimische Grüne Stinkwanze saugt mit ihrem Stechrüssel an Pflanzensaft, bevorzugt an Beeren und Früchten wie Brombeeren oder Himbeeren; die Larven saugen eher an Blättern und Trieben. Der Schaden bleibt in der Regel gering — betroffene Beeren können durch das Wanzensekret allerdings einen unangenehmen Geschmack annehmen.
Ganz anders die Marmorierte Baumwanze: Sie ist nach Angaben des Julius Kühn-Instituts (JKI) ein ernstzunehmender Pflanzenschädling und hat ein außergewöhnlich breites Wirtsspektrum von über 300 Pflanzenarten — darunter Apfel, Birne, Beeren, Haselnuss, Tomate, Paprika und Bohnen. Ihr Speichel verursacht beim Saugen verkorkte, eingesunkene und verformte Stellen an Früchten, die dadurch oft unverkäuflich werden.
Für den Hausgarten heißt das: Bei einfarbig grünen Wanzen gibt es kaum Handlungsbedarf. Tritt die marmorierte Art gehäuft auf, lohnt das Absammeln — vor allem an Obst und Fruchtgemüse.
Welche Schäden verursachen Wanzen im Garten?
Schäden entstehen durch das Saugen mit dem Stechrüssel — vor allem die Marmorierte Baumwanze fällt auf:
- verkorkte, eingesunkene oder verformte Stellen an Früchten, häufig an Tomate, Paprika und Obst
- braune oder helle Sprenkel und Flecken am Fruchtgewebe rund um die Einstichstellen
- eingesunkene, harte Areale unter der Fruchthaut, die beim Aufschneiden sichtbar werden
- bei Beeren der heimischen Grünen Stinkwanze vor allem ein veränderter, unangenehmer Geschmack
Die Marmorierte Baumwanze legt ihre hellgrünen Eigelege bevorzugt an Blattunterseiten ab; dort sitzen auch die Larven (Nymphen). Wer den Befall früh erkennt, kann Gelege und Nymphen gezielt absammeln. Wie sich Wanzen-Saugschäden von Blütenendfäule und Sonnenbrand abgrenzen lassen, beschreibt die Symptomseite „Saugstellen an Tomaten und Paprika“.
Wanzen im Haus: lästig, aber kein Schädling
Im Herbst suchen Wanzen frostfreie Überwinterungsplätze — und landen dabei oft hinter Fensterrahmen, in Rollladenkästen, hinter gedämmten Fassaden oder in Wohnräumen. Besonders die Marmorierte Baumwanze zeigt ein ausgeprägtes Verhalten, sich an Gebäuden zu sammeln.
Wichtig zur Beruhigung: Im Haus sind Wanzen keine Schädlinge. Sie
- fressen in der Wohnung nichts und gehen nicht an Lebensmittel, Textilien oder Holz
- vermehren sich nicht im Haus und legen dort keine Eier
- verursachen keine Materialschäden und übertragen keine Krankheiten
- stechen oder beißen den Menschen nicht
Sie sind also reine Überwinterungsgäste und ein Lästling, kein Befall. Das einzige echte Ärgernis ist der Geruch, wenn man sie zerdrückt oder einsaugt. Deshalb gilt im Haus: einsammeln und aussperren statt bekämpfen.
Richtig handhaben: sammeln, aussperren, nicht spritzen
Sowohl im Garten als auch im Haus ist die mechanische Methode die beste Wahl:
- Im Garten: Wanzen, Nymphen und Eigelege absammeln, am besten morgens, wenn die Tiere träge sind. Ein untergehaltenes Gefäß mit Seifenwasser fängt herabfallende Tiere auf.
- Im Haus: Tiere mit Kehrblech, Glas-und-Papier-Methode oder einem Staubsauger mit Beutel vorsichtig einsammeln und nach draußen bringen — nicht zerdrücken, das setzt den Geruch frei.
- Vorbeugend aussperren: Fenster- und Türritzen abdichten, Insektenschutzgitter anbringen, Spalten an Rollladenkästen verschließen.
- Im Garten gefährdete Kulturen mit engmaschigen Kulturschutznetzen schützen — wie das geht, beschreibt der Ratgeber „Kulturschutznetze richtig einsetzen“.
Von Insektiziden ist abzuraten: Sie sind gegen die mobilen, gut versteckten Wanzen wenig wirksam, treffen Nützlinge und sind im Haus ohnehin fehl am Platz. Pflanzenschutzmittel kommen allenfalls im Erwerbsanbau und nur mit entsprechender Zulassung infrage — im Hausgarten sind Absammeln und Netze die sinnvolle Antwort.
Wanzen vorbeugen — im Garten und am Haus
Ganz fernhalten lassen sich Wanzen nicht, der Druck lässt sich aber senken:
- gefährdete Kulturen wie Tomaten, Paprika und Beerenobst regelmäßig kontrollieren, besonders die Blattunterseiten auf Eigelege
- Kulturschutznetze über empfindliche Beete spannen, solange die Tiere aktiv sind
- im Spätsommer und Herbst Gebäude winterfest machen: Ritzen abdichten, Gitter anbringen, bevor die Wanzen einwandern
- den Garten naturnah gestalten, damit sich Vögel und andere Gegenspieler ansiedeln
- Funde der Marmorierten Baumwanze den regionalen Pflanzenschutzdiensten oder Monitoring-Plattformen melden — das hilft beim Verbreitungs-Monitoring
Wie Sie Haus und Garten gegen überwinternde Insekten allgemein wappnen, fasst der Ratgeber „Garten winterfest gegen Schädlinge machen“ zusammen.
Häufige Fragen
Sind Stinkwanzen im Haus gefährlich oder schädlich?
Nein. Wanzen im Haus sind reine Überwinterungsgäste. Sie fressen nichts, vermehren sich dort nicht, verursachen keine Materialschäden und stechen den Menschen nicht. Lästig ist allein der Geruch, wenn man sie zerdrückt.
Welche Wanze richtet im Garten wirklich Schaden an?
Vor allem die invasive Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys). Sie hat über 300 Wirtspflanzen und verursacht beim Saugen verkorkte, eingesunkene Stellen an Obst und Gemüse. Die heimische Grüne Stinkwanze ist dagegen weitgehend harmlos.
Wie werde ich Wanzen in der Wohnung los?
Vorsichtig einsammeln und nach draußen bringen — mit Kehrblech, der Glas-und-Papier-Methode oder einem Staubsauger mit Beutel. Nicht zerdrücken, das setzt den Geruch frei. Vorbeugend Fensterritzen abdichten und Insektenschutzgitter anbringen.
Soll ich gegen Wanzen Insektizide einsetzen?
Im Hausgarten nein. Insektizide wirken gegen die mobilen Wanzen kaum und treffen Nützlinge. Sinnvoll sind Absammeln und Kulturschutznetze. Pflanzenschutzmittel kommen allenfalls im Erwerbsanbau und nur mit passender Zulassung infrage.
Warum riechen Stinkwanzen so unangenehm?
Stinkwanzen besitzen Wehrdrüsen, aus denen sie bei Gefahr oder beim Zerdrücken ein streng riechendes Sekret freisetzen. Das schützt sie vor Fressfeinden, ist für den Menschen aber harmlos. Deshalb sollte man die Tiere nie zerquetschen.
Sind Wanzen für Obst und Gemüse aus dem Garten ein Problem für die Gesundheit?
Nein. Wanzenschäden sind kosmetisch und betreffen Aussehen und teils den Geschmack der Früchte. Die Marmorierte Baumwanze überträgt keine für Menschen relevanten Krankheiten — befallene Früchte sind nur optisch und geschmacklich beeinträchtigt.