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Angefressene Blattränder mit Buchten — was steckt dahinter?

Halbrunde, wie mit einer Lochzange ausgestanzte Buchten am Blattrand sind ein sehr eindeutiges Schadbild: Sie gehen fast immer auf den Dickmaulrüssler zurück. Der Käfer selbst bleibt dabei unsichtbar, denn er ist nachtaktiv und flugunfähig. Wichtiger als der kosmetische Blattfraß ist allerdings der Blick nach unten — denn der eigentliche Schaden steckt bei den Larven an den Wurzeln.
Aktualisiert am 5. Juni 2026

Sofortantwort: Das ist fast immer der Dickmaulrüssler

Halbrunde, wie ausgestanzte Buchten am Blattrand sind ein klares Erkennungszeichen.

Wenn die Blattränder aussehen, als hätte jemand mit einer Lochzange gleichmäßige Halbkreise herausgestanzt, ist die Ursache fast immer der Gefurchte Dickmaulrüssler. Dieser Buchtenfraß ist sein unverwechselbares Markenzeichen.

Den Käfer selbst bekommen Sie dabei meist nicht zu Gesicht: Er ist nachtaktiv und flugunfähig und versteckt sich tagsüber in der Streu, unter Töpfen und in der obersten Bodenschicht. Erst nachts wird er aktiv und frisst an den Blatträndern.

Typische Wirtspflanzen mit Buchtenfraß sind:

  • Rhododendron und Azalee
  • Kirschlorbeer und Eibe
  • Erdbeeren
  • Rosen
  • viele Kübel- und Zimmerpflanzen

Finden Sie dieses Schadbild an einer dieser Pflanzen, können Sie ziemlich sicher vom Dickmaulrüssler ausgehen.

Andere Fraßbilder sicher abgrenzen

Nicht jeder Fraß am Blatt ist Buchtenfraß. Bevor Sie zu einer Maßnahme greifen, lohnt der genaue Blick — denn andere Schädlinge hinterlassen andere Spuren und brauchen ein anderes Vorgehen:

  • Löcher mitten im Blatt, dazu silbrige Schleimspuren: Das sind Schnecken, nicht der Dickmaulrüssler. Sie fressen unregelmäßige Löcher in die Blattfläche, nicht die typischen Randbuchten.
  • Skelettierfraß, bei dem nur die Blattadern stehen bleiben: Das deutet auf Käfer wie den Japankäfer oder auf Raupen hin.
  • große, glattrandige Fraßstellen am Blattrand: Solche durchgehenden Randfraße gehen meist auf Raupen zurück.
  • halbkreisrunde, sehr glatte und saubere Ausschnitte am Blattrand: Das ist das Werk der Blattschneiderbiene — und kein Schädling! Sie schneidet runde Stücke heraus, um damit ihre Brutzellen auszukleiden, ohne der Pflanze zu schaden.

Der Buchtenfraß des Dickmaulrüsslers ist dagegen unregelmäßiger gebuchtet und sitzt ausschließlich am Rand — mit ausgefransteren Kanten als die glatten Schnitte der Blattschneiderbiene.

Der wichtigere Blick: nach unten zu den Wurzeln

Der Buchtenfraß ist kosmetisch — die Larven sind der eigentliche Schaden.

So auffällig der Blattfraß ist: Er schwächt die Pflanze nur selten ernsthaft und ist im Grunde ein kosmetisches Problem. Er ist aber ein verlässlicher Hinweis darauf, dass Käfer in der Nähe sind — und damit auch Eier und Larven im Boden.

Der eigentliche Schaden entsteht unter der Erde. Die Larven des Dickmaulrüsslers fressen an den Wurzeln und nagen schließlich den Wurzelhals an. Typisch ist ein plötzliches Welken: Eine Pflanze, die gestern noch gesund aussah, hängt scheinbar grundlos schlaff und lässt sich teils mühelos aus der Erde ziehen.

So erkennen Sie die Larven:

  • cremeweiße bis gelblichweiße Färbung
  • deutlich gekrümmte, C-förmige Körperhaltung
  • braune Kopfkapsel
  • und das entscheidende Merkmal: keine Beine

Während echte Engerlinge immer Beine haben, sind Dickmaulrüssler-Larven vollständig beinlos. Dieses eine Merkmal genügt zur sicheren Unterscheidung.

Was tun bei Buchtenfraß?

Da der Blattfraß selbst harmlos ist, richtet sich die Bekämpfung gegen die Käfer und vor allem gegen die wurzelfressenden Larven:

  • Käfer nachts absammeln: Suchen Sie die befallenen Pflanzen nach Einbruch der Dunkelheit mit einer Taschenlampe ab und sammeln Sie die Käfer ein.
  • Tagesverstecke auslegen: Bretter, umgedrehte Töpfe mit Holzwolle oder zusammengerollte Pappe locken die Käfer als Versteck an. Morgens können Sie die Tiere dort einsammeln.
  • HB-Nematoden gegen die Larven: Die mikroskopisch kleinen Fadenwürmer (Heterorhabditis bacteriophora) werden mit dem Gießwasser in den Wurzelbereich ausgebracht und töten die Larven ab. Günstige Fenster sind April bis Mai und August bis September bei warmem, feuchtem Boden.

Greifen die Larven gehäuft Kübelpflanzen an, lohnt sich die Nematoden-Behandlung besonders, da im begrenzten Topfvolumen schon wenige Larven den ganzen Wurzelballen schädigen können. Die ausführliche Anleitung steht auf der Seite „Nematoden einsetzen“.

Wenn es doch kein Buchtenfraß ist

Sollte das Schadbild nicht recht zum Dickmaulrüssler passen, lohnt der Vergleich mit den häufigsten Alternativen — denn die Maßnahme unterscheidet sich grundlegend:

  • Sind die Löcher rundlich und sitzen mitten in der Blattfläche, dazu Schleimspuren am Boden? Dann sind Schnecken am Werk. Mehr dazu auf der Seite „Schleimspuren und Löcher an Pflanzen“.
  • Wurde ein Buchsbaum von innen her kahlgefressen, mit Gespinst und grünen Raupen? Dann steckt der Buchsbaumzünsler dahinter, nicht der Dickmaulrüssler. Die Seite „Buchsbaum kahlgefressen“ ordnet das ein.
  • Bleiben bei stärkerem Fraß nur die Blattadern als Gerippe stehen? Solcher Skelettierfraß deutet auf Käfer wie den Japankäfer oder auf Raupen hin.

Im Zweifel gilt: Erst das Schadbild genau bestimmen, dann gezielt handeln. So vermeiden Sie unnötige Maßnahmen und treffen vor allem keine Nützlinge wie die Blattschneiderbiene.

Häufige Fragen

Was frisst halbrunde Buchten in meine Blattränder?

Das ist fast immer der Gefurchte Dickmaulrüssler. Sein Buchtenfraß sieht aus wie mit einer Lochzange ausgestanzte Halbkreise am Blattrand. Den nachtaktiven, flugunfähigen Käfer selbst sieht man nur, wenn man die Pflanzen nachts mit der Taschenlampe absucht.

Wie unterscheide ich den Dickmaulrüssler von der Blattschneiderbiene?

Die Blattschneiderbiene hinterlässt kreisrunde, sehr glatte und saubere Ausschnitte am Blattrand, ohne weitere Fraßspuren. Der Dickmaulrüssler frisst unregelmäßigere Buchten mit ausgefransteren Kanten. Die Blattschneiderbiene ist ein geschützter Nützling und darf nicht bekämpft werden.

Ist der Buchtenfraß gefährlich für die Pflanze?

Der Buchtenfraß am Blatt ist meist nur kosmetisch und schwächt die Pflanze kaum. Der ernsthafte Schaden entsteht durch die Larven, die an Wurzeln und Wurzelhals fressen, sodass Pflanzen plötzlich welken. Gegen die Larven lohnt sich die Behandlung.

Sind das Schnecken oder der Dickmaulrüssler?

Schnecken fressen unregelmäßige Löcher mitten in die Blattfläche und hinterlassen silbrige Schleimspuren. Der Dickmaulrüssler frisst dagegen ausschließlich halbrunde Buchten am Blattrand und hinterlässt keinen Schleim. Das Schleimspur-Indiz ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal.

Was hilft gegen den Dickmaulrüssler?

Gegen die Käfer hilft nächtliches Absammeln und das Auslegen von Tagesverstecken. Der wichtigere Schritt ist die Bekämpfung der Larven mit HB-Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora) im Wurzelbereich, ausgebracht in den Fenstern April bis Mai und August bis September.

Welche Pflanzen sind besonders betroffen?

Bevorzugt befallen werden Rhododendron, Azalee, Kirschlorbeer, Eibe, Erdbeeren, Rosen sowie viele Kübel- und Zimmerpflanzen. An ledrigen, immergrünen Blättern ist der Buchtenfraß besonders gut zu erkennen.

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