Symptom
Saugstellen an Tomaten und Paprika – was steckt dahinter?

Das Schadbild bei Wanzen-Saugschäden
Wanzen stechen mit ihrem Rüssel die Frucht an und geben Speichel ins Gewebe ab, dessen Enzyme das Fruchtfleisch rund um die Einstichstelle verändern. Daraus ergibt sich ein charakteristisches Bild:
- kleine, oft helle bis gelbliche Flecken rund um die Einstichstellen, bei Tomaten häufig als wolkige, weißliche Aufhellungen unter der Schale
- verkorkte, leicht eingesunkene oder verhärtete Stellen, die beim Aufschneiden als weißliches, schwammiges bis festes Gewebe unter der Haut sichtbar werden
- Verformungen und Dellen, wenn früh in der Fruchtentwicklung gesaugt wurde; bei Paprika auch verkrüppelte, einseitig gestauchte Früchte
- mehrere verstreute Stellen über die Frucht verteilt, nicht auf eine Zone konzentriert
- bei starkem Befall vorzeitiger Fruchtfall junger Früchte
Saugschäden treten vor allem ab Hochsommer auf, wenn die Nymphen heranwachsen und die Früchte ansetzen — im August und September ist der Druck am größten. Verursacher ist im Garten vor allem die invasive Marmorierte Baumwanze, in warmen Regionen zunehmend auch die Grüne Reiswanze (Nezara viridula). Die heimische Grüne Stinkwanze spielt an Tomate und Paprika nur eine untergeordnete Rolle. Wer die Pflanzen kontrolliert, findet die Tiere oder ihre Nymphen häufig direkt an den Früchten oder an den Blattunterseiten. Welche Wanze dahintersteckt, klärt die Seite „Stinkwanzen erkennen“.
Abgrenzung: Blütenendfäule
Der häufigste Verwechslungspartner — und kein Tier.
Die Blütenendfäule wird oft für einen Schädling gehalten, ist aber eine Versorgungsstörung. Sie entsteht durch Calciummangel im Fruchtgewebe, der meist nicht am Bodengehalt liegt, sondern an unregelmäßiger Wasserversorgung: Bei Trockenstress kann die Pflanze das vorhandene Calcium nicht bis in die Frucht transportieren.
Das Schadbild ist eindeutig vom Wanzenschaden zu unterscheiden:
- Die Fäule sitzt am unteren Fruchtende, dort wo einst die Blüte saß — nicht verstreut über die Frucht.
- Die Stelle beginnt wässrig, sinkt dann ein, wird ledrig und dunkelbraun bis schwarz.
- Es ist kein Tier beteiligt, und es gibt keine punktförmigen Einstichstellen.
Besonders anfällig sind Kübel- und Topfpflanzen, deren Substrat schnell austrocknet, sowie Fleischtomaten, Flaschentomaten wie San Marzano und lange, spitze Paprikasorten. Auch eine stickstoffbetonte Düngung, vor allem mit Ammonium, sowie ein Überschuss an Kalium oder Magnesium verschärfen das Problem, weil diese Nährstoffe mit dem Calcium um die Aufnahme konkurrieren. Häufig sind vor allem die ersten Früchte eines Triebs betroffen; spätere Früchte bleiben gesund, sobald die Wasserversorgung gleichmäßiger wird.
Da keine Pilze oder Bakterien beteiligt sind, sind die übrigen Teile betroffener Früchte essbar. Gegensteuern lässt sich über eine gleichmäßige Wasserversorgung und ausgewogene Düngung — mehr dazu im Ratgeber „Pflanzen stärken“.

Abgrenzung: Sonnenbrand
Der dritte häufige Auslöser ist Sonnenbrand. Fruchtgemüse wie Tomate, Paprika und Chili braucht Beschattung durch das eigene Laub; liegt die Frucht plötzlich voll in der Sonne — etwa nach starkem Ausgeizen oder Blattverlust — schädigt die intensive Einstrahlung die Fruchthaut.
Typisch für Sonnenbrand ist:
- der Fleck liegt auf der sonnenzugewandten Seite der Frucht, oft oben
- die Stelle ist zunächst hell, glasig oder bleich, später bräunlich, eingesunken und ledrig
- das Gewebe wird trocken und hart, ohne Einstichpunkte
- meist ist nur eine zusammenhängende Zone betroffen, nicht viele verstreute Punkte
Sonnenbrand tritt gehäuft nach Hitzewellen auf, wenn Früchte über Mittag direkter Strahlung ausgesetzt sind — an Südwänden, im Gewächshaus ohne Schattierung und nach radikalem Entblättern. Betroffen sind meist reifende, noch grüne bis hellrote Früchte, und anders als bei Wanzenschäden erscheinen die Flecken fast gleichzeitig an mehreren Früchten derselben Pflanzenseite. Auf der geschädigten Stelle können sich später Schwärzepilze ansiedeln; sie sind Folge, nicht Ursache.
Vorbeugen lässt sich Sonnenbrand, indem man nicht zu stark entblättert, für ausreichend Schatten sorgt und an Hitzetagen schattiert. Sonnenbrand ist wie die Blütenendfäule kein Schädlingsproblem — Absammeln oder Netze bringen hier nichts.

So sichern Sie die Diagnose
Mit drei Fragen kommen Sie der Ursache schnell auf die Spur:
- Wo sitzt der Fleck? Unteres Fruchtende deutet auf Blütenendfäule, sonnenzugewandte Seite auf Sonnenbrand, verstreut über die Frucht auf Wanzen.
- Gibt es Einstichstellen? Punktförmige, verkorkte Einstiche sprechen für Wanzen; flächige, eingesunkene Zonen ohne Punkte für Sonnenbrand oder Fäule.
- Sind Tiere zu sehen? Kontrollieren Sie Früchte und Blattunterseiten auf Wanzen, Nymphen und hellgrüne Eigelege. Werden Sie fündig, ist die Sache klar.
So gehen Sie bei der Kontrolle vor:
- Früh morgens nachsehen, wenn Wanzen träge sind und noch an den Früchten sitzen.
- Blattunterseiten der oberen Pflanzenhälfte auf hellgrüne Gelege (etwa 20 bis 30 Eier in dichten Reihen) und auf leere, weißliche Eihüllen prüfen.
- Die Pflanze über einem hellen Tuch oder einer Schale leicht schütteln oder abklopfen — Wanzen und Nymphen lassen sich fallen.
- Auf den typischen Wanzengeruch achten, der beim Anfassen der Pflanze frei wird.
Im Zweifel hilft das Aufschneiden: Wanzen-Saugschäden zeigen weißliches, verkorktes Gewebe an einzelnen Punkten unter der Haut, während Fäule und Sonnenbrand flächig eingesunkene, ledrige Bereiche bilden. Ergänzend lohnt der Blick auf den Zeitpunkt: Blütenendfäule zeigt sich oft schon an den ersten Früchten im Juni und Juli sowie nach Trockenphasen, Sonnenbrand direkt nach Hitzetagen oder starkem Entblättern, Wanzenschäden vor allem ab August.
Zwei weitere Verwechslungspartner sind schnell ausgeschlossen: Wachstumsrisse nach Regen auf Trockenheit sind offene, ringförmige oder strahlige Risse um den Stielansatz ohne Einstiche. Gelbkragen oder Grünkragen ist eine hart bleibende, gelbgrüne Schulter rund um den Stiel — sortenbedingt und durch Hitze gefördert, ebenfalls kein Tier.
Richtig reagieren — je nach Ursache
Die passende Maßnahme hängt vollständig von der Diagnose ab:
- Bei Wanzen: Tiere, Nymphen und Eigelege absammeln, gefährdete Pflanzen mit feinmaschigem Kulturschutznetz schützen. Insektizide sind im Hausgarten nicht sinnvoll; Hausmittel wie Seifen- oder Spülmittellösungen sind keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel und wirken gegen die gepanzerten Wanzen kaum. Die Details stehen in den Ratgebern „Stinkwanzen“ und „Kulturschutznetze richtig einsetzen“.
- Bei Blütenendfäule: gleichmäßig und ausreichend gießen — Kübelpflanzen in Hitzeperioden täglich, Beete mulchen, damit der Boden nicht austrocknet. Ausgewogen düngen und Überdüngung mit Stickstoff, Kalium oder Magnesium meiden, da diese die Calciumaufnahme behindern. Calcium-Blattdünger können den Verlauf abmildern, ersetzen aber die gleichmäßige Wasserversorgung nicht; Kalken nur bei nachweislich niedrigem pH-Wert.
- Bei Sonnenbrand: nicht zu stark entblättern, für Laubschatten sorgen und an Hitzetagen mit Schattiernetz oder Vlies schattieren; im Gewächshaus Schattierfarbe oder Schattiernetz nutzen.
In allen drei Fällen gilt: Befallene oder geschädigte Früchte lassen sich oft nach dem Ausschneiden der betroffenen Stelle noch verwerten, sofern keine Fäulnis nachgezogen ist. Erste betroffene Früchte bei Blütenendfäule können Sie entfernen, damit die Pflanze ihre Kraft in gesunde Früchte steckt. Eine Übersicht, wie kräftige, gut versorgte Pflanzen Stress besser wegstecken, bietet der Ratgeber „Pflanzen stärken“.
Häufige Fragen
Sind verkorkte Stellen an Tomaten immer ein Wanzenschaden?
Nein. Verkorkte Stellen können von Wanzen stammen, aber auch von Sonnenbrand. Entscheidend sind Ort und Muster: verstreute Einstichpunkte deuten auf Wanzen, eine flächige Zone auf der Sonnenseite auf Sonnenbrand.
Wie unterscheide ich Wanzenschaden von Blütenendfäule?
Blütenendfäule sitzt am unteren Fruchtende, ist ledrig-dunkel und flächig — eine Calciummangel-Folge ohne Tier. Wanzenschäden sind verstreute, verkorkte Einstichstellen über die ganze Frucht, oft mit sichtbaren Tieren an der Pflanze.
Kann ich Früchte mit Saugstellen noch essen?
Meist ja. Wanzenschäden, Blütenendfäule und Sonnenbrand sind nicht giftig. Schneiden Sie die betroffene, verkorkte oder eingesunkene Stelle großzügig heraus — der Rest der Frucht ist genießbar, solange keine Fäulnis nachgezogen ist.
Welche Wanze verursacht die Saugstellen an Tomaten und Paprika?
Im Garten vor allem die invasive Marmorierte Baumwanze, in warmen Regionen zunehmend auch die Grüne Reiswanze (Nezara viridula). Ihr Speichel löst die verkorkten, eingesunkenen Einstichstellen aus. Mehr dazu auf der Seite „Stinkwanzen erkennen“.
Was hilft gegen Blütenendfäule?
Eine gleichmäßige, ausreichende Wasserversorgung ist der wichtigste Hebel, denn Trockenstress blockiert den Calciumtransport in die Frucht. Dazu ausgewogen düngen und Überdüngung mit Stickstoff, Kalium oder Magnesium vermeiden, da sie die Calciumaufnahme stört.
Hilft Calciumdünger gegen Blütenendfäule?
Nur begrenzt. Meist ist genug Calcium im Boden, es kommt bei Trockenstress aber nicht in der Frucht an. Calcium-Blattdünger können den Verlauf abmildern, die Hauptmaßnahme bleibt gleichmäßiges Gießen. Kalk gehört nur in den Boden, wenn der pH-Wert nachweislich zu niedrig ist.
Wie verhindere ich Sonnenbrand an Paprika und Tomaten?
Entblättern Sie nicht zu stark, damit die Früchte durch das eigene Laub beschattet bleiben. An sehr heißen, sonnigen Tagen hilft eine zusätzliche Schattierung, etwa mit Schattiernetz, um die empfindliche Fruchthaut zu schützen.
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