Gemüse
Schädlinge an Paprika und Chili erkennen und bekämpfen
Häufige Schädlinge an Paprika und Chili
Im Freiland dominieren Blattläuse, im Gewächshaus kommen mehrere Sauger dazu.
An Paprika und Chili ist die Blattlaus der häufigste Schädling. Sie sitzt an den Triebspitzen und an den Blütenansätzen — und gerade jetzt, nach der Pflanzung im Juni, treffen die frisch ausgetriebenen, weichen Jungpflanzen auf die Blattlaus-Hochphase.
Unter Glas und auf der warmen Fensterbank kommen weitere Sauger hinzu, die das warme, windstille Klima lieben:
- Spinnmilben — bei warm-trockener Luft im Gewächshaus oder am Fenster, erkennbar an feinen Sprenkeln und zarten Gespinsten
- Weiße Fliege — vor allem im Gewächshaus, kleine weiße Tiere fliegen beim Berühren der Pflanze auf
- Thripse — winzige längliche Tiere, die silbrige Saugspuren hinterlassen
- Schnecken — an jungen Pflanzen im Beet, besonders kurz nach dem Auspflanzen
Welche Schädlinge auftreten, hängt also stark vom Standort ab: Im Freiland sind es überwiegend Blattläuse und anfangs Schnecken, im Gewächshaus das ganze Spektrum der Sauger.
Typische Symptome an Paprika und Chili
Die verschiedenen Schädlinge zeigen recht unterschiedliche Schadbilder, die sich gut zuordnen lassen.
- eingerollte, verkrümmte oder verkrüppelte Triebspitzen mit kleinen Tieren — Blattläuse
- klebriger, glänzender Belag auf Blättern und Früchten (Honigtau)
- feine helle Sprenkel auf den Blättern und zarte Gespinste, oft an den Blattachseln — Spinnmilben
- kleine weiße Tiere, die beim Berühren der Pflanze auffliegen — Weiße Fliege
- silbrig glänzende Saugspuren mit winzigen schwarzen Kotpünktchen — Thripse
Gerade an Jungpflanzen schwächen starke Saugschäden den Wuchs spürbar und können Blüten und junge Früchte abwerfen lassen. Wer früh hinschaut, erkennt den Befall meist, solange er noch klein und gut beherrschbar ist.
Was tun bei Befall?
Bei essbaren Kulturen gilt: sanft beginnen und Wartehinweise beachten.
Da Paprika und Chili geerntet und gegessen werden, beginnen Sie mit den schonendsten Maßnahmen und steigern nur bei Bedarf:
- Abspritzen: Blattläuse und auch Spinnmilben lassen sich mit einem gezielten Wasserstrahl von den Trieben spülen. Bei Spinnmilben hilft das Abduschen der Blattunterseiten besonders.
- Schmierseifenlösung: Als essbare Kultur gut geeignet, da rückstandsarm — waschen Sie behandelte Früchte vor der Ernte ab und beachten Sie die Behandlungshinweise.
- Neemöl als nächste Stufe: wirkt zuverlässig gegen mehrere Sauger; beachten Sie die Anwendungs- und Wartezeiten auf der Verpackung.
- Nützlinge im Gewächshaus: Schlupfwespen (Encarsia formosa) gegen die Weiße Fliege, Raubmilben gegen Spinnmilben — Details auf der Seite „Nützlinge einsetzen“.
- Klebetafeln zum Monitoring: Gelbtafeln zeigen die Weiße Fliege an, Blautafeln die Thripse.
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind bei essbaren Kulturen nur als ausdrücklich zugelassene Anwendung und unter strikter Beachtung der Wartezeiten einzusetzen. In aller Regel kommen Sie an Paprika und Chili aber mit den sanften Methoden und Nützlingen aus.
Besonderheit Gewächshaus: warm, windstill, anfällig
Im Gewächshaus und im Folientunnel finden Schädlinge nahezu ideale Bedingungen vor: Es ist warm, windstill und es fehlen die natürlichen Gegenspieler, die im Freiland einen Befall begrenzen. Gerade Spinnmilben und Weiße Fliege vermehren sich unter Glas besonders schnell — warme, trockene Luft ist ein regelrechtes Schädlingsparadies.
Deshalb ist das Klimamanagement im Gewächshaus die halbe Miete:
- regelmäßig lüften, um Hitzestau und stehende Luft zu vermeiden
- die Luftfeuchte im Blick behalten, denn zu trockene Luft begünstigt Spinnmilben
- Pflanzen nicht zu eng stellen, damit Luft zwischen den Trieben zirkuliert
- früh und konsequent kontrollieren, weil sich ein Befall unter Glas rasch aufschaukelt
Weil im geschlossenen Gewächshaus die Nützlinge nicht abwandern, lohnt sich hier der gezielte Einsatz von Schlupfwespen und Raubmilben besonders.
Vorbeugung durch kräftige Pflanzen und Mischkultur
Weiches, überdüngtes Gewebe zieht Blattläuse an.
Die wirksamste Vorbeugung beginnt bei der Pflanze selbst. Kräftige, gut abgehärtete Jungpflanzen werden seltener und schwächer befallen als weiche, getriebene Exemplare.
- kräftige Jungpflanzen verwenden und sie vor dem Auspflanzen schrittweise an die Bedingungen draußen gewöhnen
- nicht überdüngen: Zu viel Stickstoff macht das Gewebe weich und lockt Blattläuse besonders an — düngen Sie bedarfsgerecht (siehe Seite „Richtig düngen“)
- auf Mischkultur setzen, um Schädlinge zu verwirren und Nützlinge zu fördern (Details auf der Seite „Mischkultur gegen Schädlinge“)
- Kapuzinerkresse als Fangpflanze in die Nähe setzen — Blattläuse bevorzugen sie und lassen die Paprika eher in Ruhe
Im Zusammenspiel aus gesunden Pflanzen, maßvoller Düngung und einer durchdachten Pflanzennachbarschaft bleiben viele Schädlinge von selbst unter der Schadschwelle — und Sie müssen seltener eingreifen.
Häufige Fragen
Warum haben meine frisch gepflanzten Paprika schon Blattläuse?
Anfang Juni stehen die Jungpflanzen frisch im Beet und treiben weich aus — genau in der Blattlaus-Hochphase. Die weichen Triebspitzen und Blütenansätze sind für die Tiere besonders attraktiv. Spritzen Sie die Läuse früh ab, dann bleibt der Befall klein.
Darf ich Schmierseife oder Neemöl an Paprika und Chili anwenden?
Ja, beide sind an essbaren Kulturen gut einsetzbar. Schmierseife ist rückstandsarm, Neemöl die nächste Stufe bei stärkerem Befall. Waschen Sie behandelte Früchte ab und beachten Sie die Anwendungs- und Wartezeiten auf der Verpackung.
Welche Nützlinge helfen im Gewächshaus gegen die Weiße Fliege?
Die Schlupfwespe Encarsia formosa ist der Standard-Nützling gegen die Weiße Fliege und parasitiert deren Larven. Gegen Spinnmilben setzen Sie zusätzlich Raubmilben ein. Im geschlossenen Gewächshaus wirken Nützlinge besonders zuverlässig, weil sie nicht abwandern.
Gelbtafeln oder Blautafeln — was nehme ich wofür?
Gelbtafeln fangen und überwachen die Weiße Fliege, Blautafeln sind für Thripse die richtige Wahl. Die Tafelfarbe entscheidet, welche Tiere angelockt werden. Klebetafeln dienen vor allem dem Monitoring und ersetzen nicht die eigentliche Bekämpfung.
Warum sind im Gewächshaus mehr Schädlinge als im Freiland?
Weil es dort warm und windstill ist und die natürlichen Gegenspieler fehlen. Spinnmilben und Weiße Fliege vermehren sich unter Glas besonders schnell. Regelmäßiges Lüften, ein gutes Luftfeuchte-Management und nicht zu enger Stand nehmen ihnen die besten Bedingungen.
Hilft Kapuzinerkresse gegen Blattläuse an Paprika?
Als Fangpflanze ja. Blattläuse bevorzugen Kapuzinerkresse und lassen die Paprika eher in Ruhe. In Kombination mit kräftigen Jungpflanzen, maßvoller Düngung und Mischkultur sinkt der Befallsdruck spürbar.