Raupen & Falter
Kohlweißling erkennen und bekämpfen
Großer und Kleiner Kohlweißling unterscheiden
Hinter dem Namen Kohlweißling stecken zwei eng verwandte Schmetterlingsarten, die beide an Kohlgewächsen fressen. Der Große Kohlweißling (Pieris brassicae) ist der auffälligere: Seine Raupen sind gelblich mit schwarzen Flecken und Punkten gemustert und fressen meist in Gruppen, weil die Falter ihre Eier in größeren Gelegen ablegen.
Der Kleine Kohlweißling (Pieris rapae) legt seine Eier dagegen einzeln ab. Seine Raupen sind mattgrün, fein behaart und auf dem Kohlblatt hervorragend getarnt — sie werden deshalb oft erst entdeckt, wenn der Fraßschaden schon deutlich ist. Gerade der Kleine Kohlweißling bohrt sich gern bis ins Innere von Kohlköpfen vor.
Die erwachsenen Falter beider Arten sind weiß mit dunklen Flügelspitzen und ähneln sich stark; der Große ist etwas größer und kräftiger gezeichnet. Für die Praxis im Garten ist die genaue Artbestimmung zweitrangig: Beide Arten richten denselben Schaden an, und die Gegenmaßnahmen sind identisch.
Befall erkennen: Falter, Eier und Raupen
Wer die weißen Falter über dem Beet sieht, sollte sofort die Blattunterseiten kontrollieren.
Der Befall beginnt unscheinbar: Ab dem Frühjahr flattern die weißen Falter über das Gemüsebeet und legen ihre Eier bevorzugt an die Blattunterseiten von Kohlpflanzen. Die Eier des Großen Kohlweißlings sind gelb, kegelförmig und stehen in dichten Gruppen von oft mehreren Dutzend nebeneinander — mit etwas Übung sind sie gut zu erkennen. Der Kleine Kohlweißling klebt seine blassgelben Eier einzeln und verstreut an die Blätter.
Wenige Tage später schlüpfen die Raupen und beginnen zu fressen. Junge Raupen schaben zunächst nur die Blattoberfläche ab, ältere fressen Löcher und schließlich ganze Blattflächen weg.
So kontrollieren Sie richtig:
- ab Mai die Blattunterseiten der Kohlpflanzen alle paar Tage absuchen
- auf gelbe Eigruppen und einzelne blassgelbe Eier achten
- nach Kotkrümeln auf den Blättern und zwischen den Blattachseln schauen — sie verraten versteckt sitzende Raupen
- besonders das Herz der Pflanze und einsetzende Köpfe prüfen, dort sitzen die Raupen des Kleinen Kohlweißlings
Das Schadbild: vom Lochfraß bis zum Kahlfraß
Das typische Schadbild des Kohlweißlings ist Lochfraß: unregelmäßige Löcher in den Blättern, die mit dem Wachstum der Raupen schnell größer werden. Bei stärkerem Befall bleibt vom Blatt nur noch das Gerippe übrig — man spricht von Skelettierfraß, weil lediglich die dicken Blattadern stehen bleiben. Unbehandelt können die Raupen junge Kohlpflanzen komplett kahlfressen.
Ein zweites, besonders ärgerliches Problem betrifft kopfbildende Sorten wie Weißkohl, Rotkohl oder Wirsing: Die Raupen — vor allem die des Kleinen Kohlweißlings — fressen sich ins Innere der Köpfe vor und hinterlassen dort Fraßgänge und dunkle Kotkrümel. Solche Köpfe sind in der Küche kaum noch zu gebrauchen, auch wenn sie von außen passabel aussehen.
Anders als Schneckenfraß tritt Raupenfraß tagsüber sichtbar auf, ohne Schleimspuren, und die dunkelgrünen bis schwarzen Kotkrümel auf den Blättern sind ein verlässliches Indiz. Wer Löcher findet, aber unsicher ist, wer dahintersteckt, findet auf der Symptomseite „Löcher in Blättern“ eine Bestimmungshilfe.
Kohlweißling bekämpfen
Die Bekämpfung setzt am besten so früh wie möglich an — bei den Eiern:
- Eigelege abstreifen: Kontrollieren Sie die Blattunterseiten regelmäßig und zerdrücken oder streifen Sie gelbe Eigruppen einfach ab. Jedes entfernte Gelege erspart Dutzende Raupen.
- Raupen absammeln: Sichtbare Raupen von Hand absammeln — beim Großen Kohlweißling sitzen sie oft in Gruppen beieinander, was die Arbeit erleichtert.
- Kulturschutznetz auflegen: Die Kernmaßnahme gegen den Kohlweißling. Ein engmaschiges Netz von der Pflanzung an, lückenlos aufgelegt und an den Rändern beschwert, hält die Falter komplett von der Eiablage ab. Wie Sie das Netz richtig einsetzen, zeigt die Anleitung „Kulturschutznetze richtig einsetzen“.
- Bacillus thuringiensis spritzen: Bei stärkerem Befall ist das biologische Präparat Bacillus thuringiensis die Mittel der Wahl. Es ist gegen freifressende Raupen zugelassen und wirkt nur, wenn die Raupen aktiv fressen — deshalb gründlich auch die Blattunterseiten benetzen und die Gebrauchsanleitung beachten.
Auf Breitband-Insektizide sollten Sie verzichten: Sie treffen auch die natürlichen Gegenspieler der Raupen und verschärfen das Problem mittelfristig.
Natürliche Gegenspieler: Schlupfwespen und Vögel
Der Kohlweißling hat wirksame natürliche Feinde. Die wichtigste ist die Kohlweißlings-Schlupfwespe: Sie legt ihre Eier in die Raupen des Großen Kohlweißlings, deren Nachkommen sich darin entwickeln und die Raupe abtöten. Die gelblichen Kokon-Häufchen neben abgestorbenen Raupen, die man im Spätsommer am Kohl findet, stammen von dieser Schlupfwespe — lassen Sie sie unbedingt stehen, daraus schlüpft die nächste Helfergeneration.
In einem Garten mit aktiven Schlupfwespen wird ein erheblicher Teil der Raupen parasitiert, bevor er großen Schaden anrichtet. Auch Vögel wie Meisen und Spatzen vertilgen Raupen, vor allem zur Zeit der Jungenaufzucht.
Sie fördern diese Gegenspieler, indem Sie auf breit wirkende Spritzmittel verzichten, Blühpflanzen für die erwachsenen Schlupfwespen anbieten und den Garten strukturreich gestalten. Einen Überblick über das Prinzip gibt die Seite „Nützlinge gegen Schädlinge einsetzen“.
Vorbeugen: Netz, Mischkultur und Flugzeiten kennen
Vorbeugung ist beim Kohlweißling besonders dankbar, weil sich die Eiablage zuverlässig verhindern lässt:
- Kulturschutznetz von Anfang an: Wer das Netz direkt nach der Pflanzung auflegt und lückenlos hält, bekommt gar keine Eier ins Beet — die mit Abstand sicherste Vorbeugung.
- Mischkultur nutzen: Stark duftende Nachbarn wie Sellerie und Tomaten zwischen oder neben dem Kohl erschweren den Faltern das Auffinden der Wirtspflanzen und senken den Befallsdruck. Mehr dazu auf der Seite „Mischkultur gegen Schädlinge“.
- Flugzeiten im Blick behalten: Die Falter fliegen je nach Witterung etwa von Mai bis September in zwei bis drei Generationen. Die Sommergenerationen sind meist zahlreicher als die erste — gerade im Hoch- und Spätsommer lohnt die konsequente Kontrolle.
- Beet im Herbst räumen: Ernterückstände von Kohl zeitnah entfernen, damit Puppen weniger Überwinterungsplätze direkt am Beet finden.
Kurz gesagt: Kein Falter am Kohl bedeutet keine Eier und keine Raupen. Mit lückenlosem Netz, aufmerksamer Kontrolle und ein paar duftenden Beetnachbarn bleibt der Kohlweißling in den meisten Gärten ein beherrschbares Problem.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich die Raupen des Kohlweißlings?
Die Raupen des Großen Kohlweißlings sind gelblich mit schwarzen Flecken und sitzen oft in Gruppen. Die Raupen des Kleinen Kohlweißlings sind mattgrün, einzeln und gut getarnt — auf sie stoßen Sie meist über die Kotkrümel und Fraßlöcher.
Wann fliegt der Kohlweißling?
Die weißen Falter fliegen je nach Witterung etwa von Mai bis September und bilden zwei bis drei Generationen pro Jahr. Die Sommergenerationen sind meist zahlreicher, deshalb bleibt die Kontrolle bis in den Herbst wichtig.
Was hilft am besten gegen den Kohlweißling?
Das Kulturschutznetz von der Pflanzung an — lückenlos aufgelegt und an den Rändern beschwert. Es verhindert die Eiablage komplett. Ergänzend Eigelege abstreifen, Raupen absammeln und bei starkem Befall Bacillus thuringiensis einsetzen.
Wie wirkt Bacillus thuringiensis gegen die Raupen?
Bacillus thuringiensis ist ein biologisches Spritzmittel, das gegen freifressende Raupen zugelassen ist. Es wirkt über den Fraß: Die Raupen müssen behandelte Blattteile aufnehmen und stellen dann das Fressen ein. Es wirkt nur bei Fraßaktivität — beachten Sie die Gebrauchsanleitung.
Woher kommen die gelben Kokon-Häufchen neben toten Raupen?
Das sind die Kokons der Kohlweißlings-Schlupfwespe, die die Raupen parasitiert. Sie ist ein wertvoller natürlicher Gegenspieler — lassen Sie die Kokons stehen, daraus schlüpft die nächste Generation der Nützlinge.
Sind die Falter selbst schädlich für den Kohl?
Nein, die Falter ernähren sich von Nektar und richten keinen Fraßschaden an. Gefährlich ist nur ihre Eiablage: Aus den gelben Eiern an den Blattunterseiten schlüpfen die gefräßigen Raupen.