Saugende Insekten
Weiße Fliege erkennen, bekämpfen und vorbeugen
Weiße Fliege erkennen
Weiße Fliegen sind ein bis zwei Millimeter klein und durch eine wachsartige, weiße Bemehlung auf Körper und Flügeln unverwechselbar gefärbt. Sie sitzen fast ausschließlich an den Blattunterseiten — meist an den jüngeren, oberen Blättern der Pflanze. Das auffälligste Erkennungszeichen: Berührt oder schüttelt man die Pflanze, fliegen die Tiere schwarmartig auf und setzen sich kurz darauf wieder ab.
Der zweite Blick gehört der Blattunterseite selbst. Dort kleben die winzigen, zunächst hellen, später dunkleren Eier sowie die flachen, ovalen Larvenstadien — sie wirken wie kleine, durchscheinende Schuppen und sitzen unbeweglich fest. Diese Stadien sind das eigentliche Reservoir des Befalls.
Dazu kommen die typischen Folgeerscheinungen saugender Insekten: gelblich gesprenkelte Blätter, klebriger Honigtau auf den darunterliegenden Blättern und bei längerem Befall ein schwarzer Rußtaubelag. Stark befallene Blätter vergilben und fallen vorzeitig ab.
Biologie und Lebensweise
Warum das Gewächshaus der Lieblingsort der Weißen Fliege ist.
Die häufigste Art in Mitteleuropa ist die Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum). Sie stammt ursprünglich aus wärmeren Regionen und überlebt unsere Winter im Freiland in der Regel nicht — wohl aber in Gewächshäusern, Wintergärten und Wohnräumen, wo sie sich ganzjährig vermehren kann.
Die Weibchen legen ihre Eier an der Blattunterseite ab, bevorzugt an jungen Blättern. Aus den Eiern schlüpfen bewegliche Junglarven, die sich schnell festsetzen und dann unbeweglich saugend an Ort und Stelle bleiben, bis das erwachsene Tier schlüpft. Bei warmen Temperaturen läuft eine komplette Generation in etwa drei bis vier Wochen ab — im beheizten Gewächshaus überlappen sich deshalb ständig mehrere Generationen.
Für die Bekämpfung ist das entscheidend: Mittel, die nur die fliegenden erwachsenen Tiere treffen, lassen Eier und festsitzende Larven unberührt. Behandlungen müssen daher mehrfach im Abstand weniger Tage wiederholt werden, um nachschlüpfende Tiere zu erfassen.
Welche Pflanzen sind häufig betroffen?
Die Weiße Fliege hat ein breites Wirtsspektrum, zeigt aber klare Vorlieben — vor allem für weichlaubige Pflanzen in warmer, geschützter Umgebung:
- Tomaten und Gurken im Gewächshaus — die klassischen Hauptwirte
- Paprika, Auberginen und Kürbisgewächse
- Kohlarten im Freiland, dort meist durch die Kohlmottenschildlaus
- Fuchsien, Hibiskus, Pelargonien und andere Balkon- und Kübelpflanzen
- Zimmerpflanzen mit weichen Blättern, besonders in warmen, hellen Räumen
- Kräuter wie Salbei oder Minze im Topf
Im Freiland tritt die Weiße Fliege vor allem in warmen Sommern und an geschützten Standorten auf. An Kohl ist sie zwar lästig und hinterlässt Honigtau, der eigentliche Saugschaden bleibt dort aber oft begrenzt — problematischer ist die Verschmutzung der Ernte.
Welche Schäden verursacht die Weiße Fliege?
Erwachsene Tiere und Larven saugen Pflanzensaft aus den Blättern. Die Folgen zeigen sich schrittweise:
- gelbliche Sprenkel und Aufhellungen auf den Blattoberseiten
- vergilbende, später eintrocknende und abfallende Blätter
- gebremstes Wachstum und geringerer Ertrag bei Gemüsepflanzen
- klebriger Honigtau auf Blättern, Früchten und Stellflächen
- schwarzer Rußtaupilz auf dem Honigtau, der die Photosynthese zusätzlich behindert
Gesunde, etablierte Pflanzen verkraften einen leichten Befall meist ohne bleibende Schäden. Kritisch wird es bei Jungpflanzen, bei anhaltend starkem Befall im Gewächshaus und überall dort, wo Rußtau Blätter großflächig schwärzt. Honigtau und Rußtau lassen sich von Früchten abwaschen — die Früchte selbst bleiben genießbar.
Weiße Fliege bekämpfen
Wirksam ist eine Kombination aus Fangen, mechanischer Reduktion und — vor allem im Gewächshaus — Nützlingen. Wichtig bei allen Maßnahmen: Die Blattunterseiten sind das Ziel, dort sitzen Eier, Larven und die meisten erwachsenen Tiere.
- Gelbtafeln dicht über den Pflanzen aufhängen — sie fangen die fliegenden Tiere ab und zeigen den Befallsverlauf an
- Blattunterseiten regelmäßig mit einem kräftigen Wasserstrahl absprühen oder feucht abwischen; stark besetzte Blätter entfernen
- Schlupfwespen (Encarsia formosa) im Gewächshaus oder Wintergarten einsetzen — sie parasitieren die Larven und sind dort das zuverlässigste Mittel
- Neemöl oder Kaliseifen-Lösung gezielt von unten auf die Blätter sprühen und die Behandlung im Abstand von etwa einer Woche zwei- bis dreimal wiederholen
- befallene Pflanzen möglichst kühler und luftiger stellen — das bremst die Vermehrung
Schlupfwespen brauchen Temperaturen ab etwa 18 Grad und funktionieren nur in geschlossenen Räumen, wo sie nicht abwandern. Im Freiland an Kohl ist die wichtigste Maßnahme vorbeugend: ein engmaschiges Kulturschutznetz direkt nach der Pflanzung.
Weiße Fliege vorbeugen
Vorbeugung setzt an den beiden Schwachstellen der Weißen Fliege an: Sie braucht Wärme ohne Luftbewegung und kommt oft mit neuen Pflanzen ins Haus.
- Gewächshaus regelmäßig und großzügig lüften — stehende warme Luft begünstigt die Vermehrung
- neue Pflanzen vor dem Kauf und vor dem Einräumen gründlich an den Blattunterseiten kontrollieren
- Gelbtafeln im Gewächshaus dauerhaft als Frühwarnsystem aufhängen
- Kohlbeete direkt nach der Pflanzung mit Kulturschutznetzen abdecken
- Pflanzenreste befallener Kulturen am Saisonende vollständig entfernen, damit keine Stadien überdauern
- ausgewogen düngen — überdüngte, mastige Pflanzen mit weichem Gewebe werden bevorzugt besaugt
Wer das Gewächshaus im Winter einige Wochen frostig durchlüftet und leerräumt, unterbricht den Zyklus zuverlässig: Ohne Wirtspflanzen und ohne Wärme überlebt die Gewächshausmottenschildlaus nicht.
Häufige Fragen
Ist die Weiße Fliege eine echte Fliege?
Nein. Trotz des Namens gehört sie zu den Mottenschildläusen und ist mit Blatt- und Schildläusen verwandt. Sie saugt Pflanzensaft und scheidet wie diese klebrigen Honigtau aus.
Was hilft am schnellsten gegen Weiße Fliegen?
Gelbtafeln aufhängen, Blattunterseiten kräftig absprühen und stark besetzte Blätter entfernen. Im Gewächshaus bringt der Einsatz von Schlupfwespen (Encarsia formosa) die zuverlässigste dauerhafte Wirkung.
Warum kommt der Befall nach der Behandlung immer wieder?
Weil Eier und festsitzende Larven an der Blattunterseite von vielen Maßnahmen nicht erfasst werden. Aus ihnen schlüpfen laufend neue Tiere — deshalb müssen Behandlungen im Abstand weniger Tage mehrfach wiederholt werden.
Sind Weiße Fliegen für Menschen gefährlich?
Nein. Weiße Fliegen stechen nicht und übertragen keine Krankheiten auf Menschen oder Haustiere. Sie schaden ausschließlich Pflanzen — Honigtau auf Früchten lässt sich einfach abwaschen.
Helfen Gelbtafeln allein gegen die Weiße Fliege?
Gelbtafeln fangen viele erwachsene Tiere und eignen sich gut zur Befallskontrolle. Allein stoppen sie einen Befall aber selten, weil Eier und Larven an den Blattunterseiten ungestört weiterleben. Sie sind ein Baustein, kein Komplettmittel.
Kann ich Tomaten mit Weißer Fliege noch essen?
Ja. Die Tiere schädigen die Pflanze, nicht die Frucht. Honigtau und eventueller Rußtaubelag lassen sich mit Wasser abwaschen, danach sind die Früchte ohne Bedenken genießbar.