Fliegen & Mücken
Möhrenfliege, Kohlfliege, Zwiebelfliege: Gemüsefliegen erkennen und abwehren

Gemüsefliegen erkennen
Die vier bis sieben Millimeter großen Fliegen selbst sieht man selten, sie fressen nicht an den Pflanzen. Den Schaden richten ihre beinlosen, weißlichen Maden an, die sich in Wurzeln, Rüben und Zwiebeln fressen. Die erste Generation trifft vor allem Keimlinge und Jungpflanzen, spätere Generationen das Erntegut.
Welche Fliege am Werk war, verrät meist schon die befallene Kultur:
- Möhren, Sellerie, Pastinaken, Petersilie, Fenchel und Dill: Möhrenfliege
- Kohl, Kohlrabi, Rettich, Radieschen und andere Kreuzblütler: Kleine Kohlfliege
- Zwiebeln, Schalotten, Porree, Knoblauch und Schnittlauch: Zwiebelfliege
Allen drei gemeinsam: Die letzte Generation verpuppt sich im Herbst im Boden, genau dort, wo die Wirtspflanzen standen, und schlüpft im Frühjahr in deren Nähe. Darauf beruhen die beiden wichtigsten Gegenmaßnahmen: ein Netz gegen die Eiablage und ein Beetwechsel.
Möhrenfliege: rostbraune Gänge in der Rübe
Die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae, bekannter unter dem alten Namen Psila rosae) ist bis fünf Millimeter lang, glänzend schwarz, mit gelblichem Kopf und gelben Beinen. Sie befällt Doldenblütler: neben Möhren auch Sellerie, Pastinaken, Petersilie, Fenchel und Dill.
Typisches Schadbild:
- rostbraune, gewundene Fraßgänge im Rübenkörper, häufig im Bereich der Spitze, darin gelblich weiße Maden
- Laub, das sich rötlich oder gelblich verfärbt und bei Sonne welkt
- bei frühem Befall absterbende Keimlinge, bei Sellerie verfärbtes Knollenfleisch
Die Möhrenfliege überwintert als Puppe im Boden oder als Made in Möhren, die im Beet geblieben sind. Die erste Generation fliegt je nach Witterung von Ende April oder Anfang Mai bis etwa Mitte Juni, die zweite im Juli und August. In vielen Jahren folgt ab September eine dritte Generation bis zu den ersten Frösten, und die Flüge gehen ineinander über. Die Fliegen halten sich gern in Hecken und windgeschützten Säumen auf und fliegen von dort zur Eiablage in nahe Beete; weite Strecken legen sie selten zurück. Sichtbare Gänge in der Rübe entstehen erst etwa vier Wochen nach der Eiablage.

Kleine Kohlfliege: welkende Jungpflanzen
Die Kleine Kohlfliege (Delia radicum) sieht einer kleinen Stubenfliege ähnlich und ist etwa sechs Millimeter lang. Sie befällt alle Kreuzblütler, also sämtliche Kohlarten, Kohlrabi, Rettich, Radieschen und Rucola, aber auch Gründüngungen wie Senf und Ölrettich. Besonders anfällig sind Blumenkohl, Chinakohl, Kohlrabi, Radieschen und Rettich.
Die erste Generation schlüpft ab Ende April, etwa zur Kirsch- und Rosskastanienblüte. Ende April und im Mai legen die Weibchen ihre Eier an den Wurzelhals frisch gepflanzter Setzlinge oder in feine Erdspalten daneben. Es folgen weitere Generationen, die zweite meist im Juni und Juli; insgesamt sind es zwei bis drei, in warmen Lagen auch mehr.
So zeigt sich der Befall:
- Jungpflanzen welken an sonnigen Tagen trotz feuchten Bodens, färben sich bleigrau bis bläulich, später gelb, und lassen sich leicht herausziehen
- an den Wurzeln braune Fraßgänge mit bis zu neun Millimeter langen Maden
- bei Rettich und Radieschen Gänge in der Rübe, bei Rosenkohl, Chinakohl und Kopfkohl auch Fraß in Röschen und Köpfen
Gut eingewurzelte Pflanzen überstehen Wurzelfraß oft; Anhäufeln und gleichmäßiges Gießen fördern neue Wurzeln. Abgestorbene Pflanzen gehören samt Wurzelballen in den Restmüll, nicht auf den Kompost.
Zwiebelfliege: umfallende, faulende Zwiebeln
Die Zwiebelfliege (Delia antiqua) ist grau, fünf bis sieben Millimeter lang und ebenfalls stubenfliegenähnlich. Sie befällt Speisezwiebeln, Schalotten, Porree, Knoblauch und Schnittlauch. Die erste Generation fliegt ab April, etwa zur Löwenzahnblüte, bis in den Mai und richtet meist den größten Schaden an. Eine zweite folgt im Sommer, in warmen Jahren eine teilweise dritte.
Die Eier liegen am Stängelgrund oder in den Blattscheiden. Die bis etwa einen Zentimeter langen, weißen Maden bohren sich in Basis und Zwiebel:
- junge Pflanzen werden gelb, welken, fallen um und lassen sich mühelos herausziehen
- die Zwiebelbasis ist weich und fault, im Inneren sitzen mehrere Maden
- bei späterem Befall bleiben größere Zwiebeln zwar stehen, sind aber angefressen, verformt und faulen leicht im Lager
Ein sehr ähnliches Bild verursachen Wurzelfliegen (Delia platura), die ab April ebenfalls junge Zwiebeln befallen; die Gegenmaßnahmen sind dieselben. Die Bayerische Gartenakademie rät, früh mit Steckzwiebeln zu beginnen: Kräftige Pflanzen verkraften Madenfraß besser als zarte Sämlinge.
Nicht verwechseln: Lauchminierfliege und Lauchmotte
An Porree, Zwiebeln und Schnittlauch fressen zwei weitere Schädlinge, die oft mit der Zwiebelfliege verwechselt werden. Die Lauchminierfliege (Phytomyza gymnostoma) ist eine nur etwa drei Millimeter kleine Minierfliege. Die Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella) ist dagegen gar keine Fliege, sondern ein kleiner graubrauner Falter, dessen Raupen den Schaden anrichten; der verbreitete Name „Porreefliege“ führt in die Irre.
Gegen beide reicht ein gewöhnliches Gemüsefliegennetz nicht. Für die Lauchmotte braucht es eine Maschenweite von höchstens 0,8 Millimetern, und auch die winzige Lauchminierfliege hält nur ein sehr engmaschiges Netz ab. Befallene Pflanzen sollten Sie entfernen und nicht im Beet überwintern lassen.
| Merkmal | Lauchminierfliege | Lauchmotte |
|---|---|---|
| Tiergruppe | Minierfliege, etwa 3 mm | Kleinschmetterling, graubrauner Falter |
| Schädliches Stadium | weißliche Maden im Blattinneren | hell- bis gelbgrüne Raupen |
| Erstes Anzeichen | perlschnurartige Reihen heller Einstichpunkte an den Blattspitzen | Miniergänge in den Blättern |
| Späteres Schadbild | Fraßgänge abwärts in den Schaft, braune Tönnchenpuppen, verdrehte Stangen | Fraß bis ins Pflanzenherz, Kot und Fäulnis im Inneren |
| Flugzeit | zwei Generationen, April/Mai und Ende August bis Oktober; die Herbstgeneration schädigt am stärksten | Eiablage April/Mai und Juli/August; Hauptschaden durch die Raupen der zweiten Generation im Spätsommer und Herbst |
| Wirtspflanzen | Porree, Zwiebeln, Schnittlauch | vor allem Porree, auch Zwiebeln und Schnittlauch |
| Netz | sehr engmaschig, höchstens 0,8 mm | höchstens 0,8 mm |
| Sofortmaßnahme | befallene Pflanzen entfernen, nicht überwintern lassen | befallene Blätter abschneiden, Raupen absammeln |

Abwehr Nummer eins: Netz und Kohlkragen
Barrieren verhindern die Eiablage, bevor eine Made entstehen kann.
Physische Barrieren sind gegen Gemüsefliegen die wirksamste Methode. Entscheidend sind Maschenweite, Zeitpunkt und Sorgfalt:
- Maschenweite: Gegen Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege genügt ein Kulturschutznetz mit höchstens 1,3 mm; gegen Lauchmotte, Lauchminierfliege und Erdflöhe braucht es höchstens 0,8 mm. Wer Kohl und Porree mit demselben Netz schützen möchte, wählt gleich die feinere Ausführung.
- Zeitpunkt: direkt nach der Aussaat oder Pflanzung auflegen, spätestens vor Flugbeginn Ende April. Kommt das Netz erst nach der Eiablage, wachsen die Maden darunter geschützt vor Fressfeinden heran.
- Dichtigkeit und Dauer: Ränder eingraben oder mit Sandsäcken beschweren, Löcher sofort flicken, das Netz über Bügel spannen und bis zur Ernte liegen lassen. Zum Jäten nur kurz und möglichst früh am Morgen öffnen.
Einzelne Kohlpflanzen lassen sich zusätzlich oder ersatzweise mit Kohlkragen schützen: runde Scheiben aus Filz oder kräftiger Pappe von etwa 10 bis 15 Zentimetern Durchmesser, mit einem Schlitz von der Mitte bis zum Rand. Legen Sie sie gleich beim Pflanzen flach und dicht um den Stängel auf den Boden; so findet die Kohlfliege am Wurzelhals keinen Platz für ihre Eier. Für Möhren und Zwiebeln, die dicht in Reihen wachsen, sind Kragen unpraktisch, dort bleibt das Netz die Methode der Wahl. Senkrechte, etwa 60 Zentimeter hohe Zäune um das Möhrenbeet sind in ihrer Wirkung nicht eindeutig belegt; eine vollständige Abdeckung schützt besser.
Vorbeugen: Beetwechsel, Saattermine, Standort
Netze wirken am besten zusammen mit Maßnahmen, die den Befallsdruck von vornherein senken:
- Fruchtwechsel: Doldenblütler wie Möhren, Sellerie und Pastinaken zwei bis drei Jahre, Zwiebelgewächse und Kreuzblütler drei bis vier Jahre nicht auf dasselbe Beet setzen, und zwar möglichst weit entfernt vom Vorjahresbeet. Gründüngung mit Senf oder Ölrettich zählt dabei wie Kohl.
- Saattermine: Frühmöhren ab März säen und bis zum Hochsommer ernten, Lagermöhren erst ab Ende Mai, besser Anfang Juni säen. So trifft die Kultur jeweils vor allem auf eine Generation. Späte Möhren nicht bis in den Winter im Boden lassen, die Herbstgeneration kann sie noch schädigen. Kohl, der ab Ende Mai gepflanzt wird, verpasst den Höhepunkt des ersten Kohlfliegen-Flugs.
- Standort: Die Möhrenfliege bevorzugt geschützte, schattige Lagen. Säen Sie Möhren auf offenen, windigen Flächen statt im Windschatten von Hecken und Mauern, und richten Sie Dämme nach der Hauptwindrichtung aus.
- Dünger: keinen frischen Mist und keinen unverrotteten Kompost vor Möhren, Kohl und Zwiebeln einarbeiten, denn frisches organisches Material lockt die Weibchen zur Eiablage.
- Dünn säen: Beim Ausdünnen von Möhren werden Duftstoffe frei, die Weibchen anlocken. Säen Sie so dünn, dass kaum ausgedünnt werden muss.
- Hygiene: Nach der Ernte Möhrenreste, Kohlstrünke samt Wurzeln und befallene Zwiebeln und Porreestangen abräumen, denn darin überwintert ein Teil der nächsten Generation.
- Sorten: Einige Möhrensorten wie ‚Flyaway‘ gelten als weniger anfällig, vollständig resistent ist keine.
Eine Mischkultur aus Möhren und Zwiebeln kann die Fliegen über den Geruch etwas stören, wenn die Reihen eng abwechseln. Die Wirkung ist aber nicht gesichert und ersetzt das Netz nicht. Den Flugbeginn zeigen Leimtafeln knapp über dem Bestand an, für die Möhrenfliege am besten orangefarbene.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass die Möhrenfliege in meinen Möhren war?
An rostbraunen, gewundenen Fraßgängen im Rübenkörper, oft im Bereich der Spitze, in denen gelblich weiße Maden stecken. Das Laub verfärbt sich häufig rötlich oder gelblich und welkt bei Sonne.
Welche Maschenweite brauche ich gegen Gemüsefliegen?
Gegen Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege genügt ein Kulturschutznetz mit höchstens 1,3 mm Maschenweite. Gegen Lauchmotte, Lauchminierfliege und Erdflöhe brauchen Sie höchstens 0,8 mm.
Wann muss das Netz aufs Beet?
Direkt nach Aussaat oder Pflanzung, spätestens vor dem ersten Flug Ende April, und dann bis zur Ernte.
Warum habe ich trotz Netz Maden in den Möhren?
Meist standen im Vorjahr auf demselben Beet Doldenblütler, und die überwinterten Fliegen sind direkt unter dem Netz geschlüpft. Weitere Ursachen: zu spät aufgelegt, offene Ränder oder Löcher im Gewebe.
Helfen Kohlkragen wirklich gegen die Kohlfliege?
Ja, wenn sie gleich beim Pflanzen flach und dicht um den Stängel liegen, denn sie verhindern die Eiablage am Wurzelhals. Für Möhren und Zwiebeln eignen sie sich nicht.
Schützt es, Möhren und Zwiebeln zusammen zu pflanzen?
Nur begrenzt. In eng abwechselnden Reihen kann der Geruch die Fliegen etwas stören, eine gesicherte Schutzwirkung gibt es aber nicht. Sicher aussperren lassen sich Möhren- und Zwiebelfliege nur mit einem Netz.
Gibt es ein Spritzmittel gegen Möhren-, Kohl- oder Zwiebelfliege?
Nein. Für den Haus- und Kleingarten ist laut BVL-Datenbank keines zugelassen (Stand: Oktober 2026). Es bleiben Netz, Kohlkragen, Fruchtwechsel und passende Saattermine.
Kann ich befallene Möhren noch essen?
Ja, die Maden sind für Menschen harmlos. Schneiden Sie befallene Stellen großzügig weg und verbrauchen Sie solche Möhren bald, im Lager faulen sie leicht.
Quellen & Prüfung
Biologie, Flugzeiten und Schadbilder nach Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Merkblatt „Gemüsefliegen“), Agroscope (Merkblätter „Die Möhrenfliege (Psila rosae)“, 2014, und „Die Kleine Kohlfliege (Delia radicum): Biologie und Bekämpfungsmöglichkeiten“, Nr. 91, 2018), AHDB („Life cycle and management of the onion fly“) und Sächsischer Gartenakademie (Pflanzenschutzhinweis „Lauch- und Porreeminierfliegen“, Faltblatt „Wurzelfliegen an Gemüse“). Maßnahmen zusätzlich nach Bayerischer Gartenakademie/LWG („Umweltgerechter Pflanzenbau und Pflanzenschutz in Haus und Garten“, Merkblatt 2301), Umweltbundesamt („Pflanzenschutz im Gemüsegarten“) und Royal Horticultural Society („Carrot fly“). Zulassungsstand nach der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des BVL (Datenstand 1. Oktober 2026). Stand: Oktober 2026.
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